Markus Vinzent's Blog

Monday, 8 April 2019

Der unbekannte Meister Eckhart

Thema der nächsten Konferenz der Meister Eckhart Gesellschaft in 2020 wird sein "Der unbekannte Eckhart", dazu zählen auch Texte, die in der Vergangenheit von der kritischen Forschung Eckhart zugeschrieben, die aber noch selten berücksichtigt, nicht in der kritischen Werkausgabe bei Kohlhammer erschienen sind, und zu denen auch keine Übersetzung vorliegen.

Um hier Abhilfe zu schaffen, sollen diese Texte in einer editio minor erscheinen, zu der hier nacheinander die Texte mit Übersetzungen vorgestellt werden (Die Zählung kann erst am Ende eingeführt werden). Bitte machen Sie Vorschläge für Verbesserungen von Text und Übersetzungen, v.a. auch Quellverweise, die ich noch nicht entschlüsselt habe.

Predigt * [Strauch V 379-82]

Feria V in coena Domini

 ‘Scitis quid fecerim vobis etc’ (Ioh. 13,12)

Editionen und Kommentare

Ph. Strauch, Zur Überlieferung Meister Eckharts I (1925), 379-82. Die Transkription unten wurde an der Handschrift geprüft und an verschiedenen Stellen korrigiert.

Frühere Übersetzungen

Keine.


<:1>[59a]Scitis quid fecerim vobis etc. Unsere herre Jhesus Christus sprach zu synen jungeren: wißent ir was ich uch getan hann?
<:1>Scitis quid fecerim vobis etc.[1] Unser Herr Jesus Christus sagte zu seinen Jüngern: “Wisst Ihr, was ich Euch getan habe?”
<:2>An diesen wortten gibbet er uns zuverstene dru dinge. Das eyn ist das wir wisende sullen sin an dem wortte da er sprach „wisset ir“? Das andere ist, wes wyr wißende sullen sin ann dem wort da er sprach: „wz ich getan han“. Das dritte ist, was das sy, dem er es getan hait an dem wortte da er sprach „uch“.
<:2>Mit diesen Worten gibt er uns drei Dinge zu erkennen: Das erste ist, dass wir Wissende sein sollen,[2] denn er sagte: „Wisst Ihr?“ Das zweite ist, was wir wissen sollen, denn er sagte: “Was ich Euch getan habe”, und das dritte ist, wem er es getan hat, denn er sagte: “Euch”.
<:3>Crisustimus spricht, das unsere herre zum ersten knyewete fur Judam, der yne verraden sulde, und zwug yme syne fuße. Das zwahen unsers herren syner jungern fuyß was [59b] eyn bereydunge zu dem sacrament, das er yn geben wulde. Da unser herre zu sanct Peter kquam, da enwulde er sich nyt laßen zwahen unsern herren und sprach: du ensalt mir der fuyß nyt zwahen, herre. Beda spricht: unsere herre kqueme zum ersten zu sanct Peter, und Judas hette sich durch synen freuel zu fure gesatzt, daz er zum ersten gezwagen wurde. Eyn andere heilige spricht, das sanct Peter gezwahen wurde zu aller lest, und das die andern jungern alle geswiegen hatten von eynualdigkeyt und von duffe ir wißheyt, want sie wischten das wol, das alle unsers herren wergk in dem besten wurden [60a] gethan. Do so bekantte sant Peter sin große unwirdigkeyt des dinstes von dem herren, darumbe sprach unsere herre: Peter, das ich nu tun, das enweystu nyt, du salt es aber hernach wißen. An den wortten engnungete noch sant Peter nit, sunder da er sprach: entzwahen ich dich nyt, du ensalt (380) | keyn deyl mit mir han.
<:3>Chrysostomus sagt, dass der Herr zuerst vor Judas gekniet habe, der ihn später verraten sollte, und wusch seine Füße.[3] Dass unser Herr die Füße seinerJünger wusch geschah als Vorbereitung für das Sakrament, das er ihnen schenken wollte.[4] Als unser Herr zum heiligen Petrus kam, wollte dieser nicht, dass ihm der Herr die Füße wusch und sagte:[5]  „Herr, Du sollst mir nicht meine Füße waschen“. Beda sagt:[6] Unser Herr kam zuerst zum heiligen Petrus, doch in seiner Schlechtigkeit hatte sich Judas bereits hingesetzt, so dass er seine Füße zuerst gewaschen bekam. Ein anderer Heiliger sagt,[7] dass Petrus als Letzter gewaschen wurde und dass alle anderen Jünger aus Einfachheit und aufgrund ihrer Weisheit stille geblieben waren, da sie rechterdings wollten, dass das Werk unseres Herrn an dem Besten getan werden sollte. Als der heilige Petrus seine große Unwürdigkeit für den Dienst des Herrn bekannt hatte, sagte unser Herr: “Petrus, was ich Dir jetzt tue, das verstehst Du nicht, doch Du wirst es später verstehen“.[8] Da die Worte jedoch für Petrus nicht ausreichten, sagte er: „Wenn ich Dich nicht wasche, kannst Du keinen Anteil an mir haben“.[9]
<:4>nu mochte man fragen, ob an der gotheyt deyle were zu gebene. neyn nit! an der gotheit enist keyn deyle zu gebene, sunder an dem entphaen der creaturen so ist deyle, want an den creaturen da ist mee und mynner. des enist an der gotheyt nyt. da sprach sant Peter: herre, nyt alleyn die fuße, sunder handt und heubt. [60b] da antworttet unsere herre sant Petro und sprach: were gezwahen ist, der endarff nit dann das er die fuße zwahe. By den fußen ist uffgenomen die begerunge des menschen, want als die fuße den lichamen dragent, also dreyt die begerunge des menschen hertze und sele. Darumbe sprach unser herre: enzwahen ich nit din fuß, das ist enkeren ich nyt din begerunge zu mir, so ensaltu keyn deil mit myr hann, das ist, so enmagstu nit wonen in myr, want din begerunge muß dich leyden in mich. Eye, wie dicke die begerunge gereysset wurdt von godde und doch widder vermenget wurdt! [61a] Darumbe sprach sant Peter: herre, nit alleyn die fuyß, sunder auch hende und heubt. Bij der handt ist uffgenomen die verstentenisse und die redelichkeyt, bij dem heubt die meynunge, want die meynunge ist hoi mit allen wercke<n>, und als die wercke mit der hant gewircket werden unde geordent zu yrme ende, also als sie gewer<ck>en sollen liplich, also werdent alle geystlich wergk geordent mit dem verstentenisse und mit der redelichkeyt also als sie gescheen sullen geistlich. unde also als das heubt verderbet alle gliddere, also verderbet die meynunge al des menschen wercke. Alsus ist es, wan das verstentenisse und die redelichkeyt, die die werck zierent, in godde [61b] stediglichen dringent in abgenomenheyt alles hindernisses, so endarff der mensche nyt dann das er die begerunge hude vor anfelligen sachen, das sie nit vermenget werde. Herumbe sprach unsere here zu sant Peter: were getzwahen ist, der endarff nit dann das er die fuyß zwahe.
<:4>Nun könnte man fragen, ob man von der Gottheit Teile geben könnte.[10] Nein, natürlich nicht! Es gibt keine Teile der Gottheit, die weggegeben werden könnten, stattdessen sind das, was Geschöpfe erhalten, Teile, da es bei Geschöpfen ein mehr und weniger gibt. Solches gibt es jedoch nicht bei der Gottheit.[11] Dann sagte der heilige Petrus:[12] „Herr, wasch mir nicht nur die Füße, sondern auch meine Hände und meinen Kopf“. Daraufhin antwortete unser Herr dem heiligen Petrus und sagte:[13] “Wer gewaschen ist, der bedarf nichts, außer dem Waschen der Füße“. Mit „Füßen“ wird das menschliche Begehren aufgegriffen, denn wie die Füße den Körper tragen, so bewegt das Begierde das Herz und die Seele des Menschen. Darum sagte unser Herr: “Wenn ich nicht Deine Füße wasche”, d.h. wenn ich Deine Begierde nicht auf mich ausrichte,[14] wirst Du an mir keinen Anteil haben, d.h. wirst Du nicht in mir wohnen, denn Deine Begierde muss Dich in mich hinein führen. In der Tat, auch wenn die Begierde von Gott fest herangezogen wird, sie verhängt sich doch wieder! Darum sagte der heilige Petrus: “Herr, nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf“.[15] Mit “Händen” ist das Wissen und das Verstehen gemeint, mit “Kopf” die Absicht, da die Absicht bei allen Handlungen eine Rolle spielt, und da Handlungen ausgeführt und ausgerichtet sind auf ihr Ziel, indem die Hände genutzt werden, da sie körperlich[16] auszuführen sind.[17] So sind alle geistigen Dinge vom Intellekt und Verstand bestimmt, denn diese müssen geistig ausgeführt werden. Und wie der Kopf die Gliedmaßen verdirbt, so verdirbt die Absicht alle menschlichen Handlungen.[18] Daraus folgt, dass dann, wenn der Intellekt und der Verstand, die die Handlungen schmücken, allmählich in Richtung Gott gedrückt werden, indem alle Hindernisse beseitigt werden, muss ein Mensch sich lediglich seine Begierde vor auffälligen Ursachen bewahre, so dass sie sich nicht verhängt. Darum sagte unser Herr zum heiligen Petrus: “Wer gewaschen ist, der bedarf nichts, außer dem Waschen der Füße“.[19]
<:5>unsere herre sprach zu eynem male zu synen jungern: ist das ir nyt enessent das fleysche des menschen sones noch drinckent sin bluyt, so enmogent ir keyne leben in uch haben. Des worttes erschracken sin jungern und flohen von ym one sin apposteln, die blieben bij yme. want die jungern beduchte, das er gar dorliche gesprochen hette. Da sprach [62a] unsere herre zu synen apposteln: wollent ir auch von mir? da antwordt sant Peter: herre, was sal ich? wisestu mich von dir? du bist eynborn, ußer dir flußet daz wortte des ewigen lebens. uff das wortte „wisestu mich von dir?“ spricht sanctus Augustinus, so wise mich zu eym andern dich oder zu dir in eyner andern wise. Ylarius spricht: Es enwart nye besser ordenunge da<n> das der vader ist in dem sone und der sone in dem vatter unde sie beyde in dem heiligen geyst unde der heylige geyst in yne beyden und das die middelste persone menschlich nature an sich genomen hat und sie in sich an eyner personen vereynet hait. eyn styme [62b] sprach zu Sant Au(gu)styn: ich bin eyn (381) | spise der großen wash und du salt mich essen und ich ensal nyt gewandelt werden in dich, sunder du salt gewandelt werden in mich. also als die spise verwandelt und vernaturet wirt in dem menschen, also wurt menschliche nature mit der spisen, die got ist, verwandelt und vernaturet in gotlicher naturen. Ignacius, unser frauwen cappellan, wart geworffen in des lewen mundt. Da sprach er: ich bin Christi spise. Du salt mich wol zuriben, das er mich destabaß verdauwen moge. Die gotheit ist eyn condimentum gottes lichamen. Salomon spricht: Eyn cleyn gabe wurdt dicke siebenfalt [63a] also wurt gottes lichame in der selen, want sie entpfecht gotliche nature mit der gotheyt alzumal an dem lichame unsers herren mit dem ewigen lebene das sie entpfecht, want gotliche nature ist eyn burne des ewigen lebens und sie entpfecht eyn sune zwischen ir und godde und sie entpfecht eyn widdermachunge der gebrechen ame geyst. want gottes liachame gibt der selen zubekennen yren gebrechen, der sie vergessen hat, off das sie ir bichte tuwe, oder er gibt ir sicherheit, das sie yr vergeben sin. Er gibbet ir sußigkeyt, want sie  entpfecht von der eynungen synes mit der gotheyt. Er gibbet ir auch eyn gehugnisse Christi von syme sacrament [63b] das sie entpfecht. Er gibbet ir auch ye gegenwordige gnade von der heymelicheyt irs mit yme, als sie yne entpfecht. Er gibbet ir auch in ir selber, eyn glichnisse des ewigen lebens, want er ist der, als der prophete spricht, by dem alle dinge lebent.
<:5>Einmal sagte unser Herr zu seinen Jüngern: “Wenn Du weder den Leib des Menschensohnes isst noch sein Blut trinkst, kannst Du nicht Leben in Dir haben“.[20] Diese Worte ließen die Jünger erschrecken und sie flohen von ihm, nicht jedoch die Apostel, die bei ihm blieben.[21] Als die Jünger dachten, er hätte Unsinn gesprochen, sagte der Herr zu seinen Aposteln: „Wollt Ihr auch weg von mir?’[22] Darauf antwortete der heilige Petrus: “Herr, warum soll ich? Schickst Du ich weg von Dir? Du bist der Eingeborene, das Wort des ewigen Lebens fließt von Dir aus“.[23] Über das Wort “Schickst Du mich weg von Dir” sagt der heilige Augustinus:[24] „Dann sende mich zu einem anderen Du, oder zu Dir auf andere Weise“. Hilarius sagt:[25] Es gab nie eine bessere Zuordnung als[26] dass der Vater im Sohn ist und der Sohn im Vater und dass beide im Heiligen Geist sind und der Heilige in ihnen beiden ist, und dass die mittlere Person menschliche Natur annahm, und dass sie sich in einer einzigen Person vereint haben. Eine Stimme sprach zum heiligen Augustinus:[27] “Ich bin die Speise, die groß ist, und Du sollst mich essen, und ich werde nicht in Dich verwandelt, sondern Du wirst in mich verwandelt“. Und wie dann die Speise verwandelt und im Menschen verdaut wird, so wird durch die Speise, die Gott ist, die menschliche Natur verwandelt und in göttliche Natur hineintransformiert. Der heilige Ignatius, der Hüterin unserer Frau, wurde in die Zähne der Löwen geworfen. Dabei sagte er: Ich bin die Speise Christi. Ihr sollte mich fest zerreiben, auf dass er mich leichter verdauen kann.[28] Die Gottheit ist ein Gewürz von Gottes Körper. Salomon sagt:[29] “Eine kleine Gabe wird reichermaßen siebenfach werden“. So wird Gottes Körper in der Seele sein, wenn sie die göttliche Natur mit der Gottheit empfängt, und zwar erkanntermaßen mit dem Leib unseres Herrn zusammen mit dem ewigen Leben, das sie erhält, da die göttliche Natur die Quelle ewigen Lebens ist,[30] und von ihr selbst und Gott empfängt sie einen Sohn, und sie erhält die Widerherstellung der Unzulänglichkeiten des Verstandes.[31] Denn Gottes Körper lässt die Seele ihre Unzulänglichkeiten erkennen, die sie vergessen hatte, so dass sie diese zugeben kann, oder es gibt ihr Sicherheit, dass ihr diese vergeben wurden.[32] Er gibt ihr Süße, wenn sie ihn empfängt, aufgrund seines Einsseins mit der Gottheit. Er gibt ihr auch eine Erinnerung an Christus durch das Sakrament, das sie empfängt. Jedesmal gibt er ihr auch eine gegenwärtige Gnade aufgrund der Intimität von ihr und ihm, wenn sie ihn empfängt. Er gibt ihr auch in ihr selbst ein Gleichnis ewigen Lebens, denn er ist, wie der Prophet sagt,[33] der Eine, durch den alle Dinge leben.
<:6>Unsere herre sprach, er sulde synen getruwen diener setzen uber alles sin gut. Augustinus sprach: Gottes eygen gutt ist sin eygen wesen. Paulus spricht: wer got zuhafftet, der wurdt eyn geyste mit godde. Hie von spricht der prophete: Herre, myn sele hait abgenomen in dem heile. Uff disselbe wort spricht sanctus Ambrosius: alse nymmet die sele abe, das sie seligkeyt verluset und wurdt me geyst dan sele. [64a] want sie magk so sere zunemen an gotlicher liebe, das sie zumale geyst wurdt. Auch spricht sanctus Augustinus, das die sele me sij da sie mynnet dann da sie leben gibbet. In Cantic. stet geschreben, das die liebe starcke sij als der dot, der die sele scheydet von dem libe. Ich sprechen aber, das sie tusentwerbe starcker sij dann der dot, want sie nymmet die sele ußer ir selber. Das spricht sanctus Dionisius, das die liebe setzet die sele ußer ir selber in das daz sie mynnet, want die liebe setzt das gemyntte in das das da mynnet und sie setzet das da mynnet in das gemynte. Auch spricht sanctus Dionisius, das die mynne machet gedeylt dingk eyn unge(64b)deyltes. Alsus eynet die liebe das das die liebe sele eyn wurdt mit godde. Herumbe sprache unsere herre zu synen jungern: wißent ir was ich uch gethan hann? und sprach auch: das ich nu tun, das enwissent ir nyt. ir sollent es aber hernach wißen, als er sprechen sulde, ir sijt mit ußeren und mit groben dingen so verbildet und so verblendet, das ihr der inneren dinge noch nyt erkennen konnent.
<:6>Unser Herr sagt,[34] er soll seine getreuen Diener über all das Seine setzen. Augustinus sagt:[35] Das Seine Gottes ist sein Sein. Paulus sagt: Wer zu Gott steht wird ein Geist mit Gott. Hiervon spricht der Prophet:[36] Herr, das Heil meiner Seele ist geschwunden. Hierzu sagt der heilige Ambrosius:[37] Die Seele schwindet, wenn sie die Glückseligkeit verliert und mehr Verstand als Seele wird. Dann mag sie so sehr an göttlicher Liebe wachsen, dass sie dann Verstand wird. Auch Augustinus sagt, dass die Seele mehr ist, wenn sie liebt, als wenn sie Leben gibt.[38] Im Hohenlied steht geschrieben,[39] dass Liebe stärker als der Tod ist, der die Seele vom Körper trennt. Ich aber sage, dass sie tausendmal stärker als dieser ist, denn sie[40] trägt die Seele aus sich heraus. Dies sagt der heilige Dionysius,[41] dass die Liebe die Seele aus sich heraussetzt in das hinein, das sie liebt, denn Liebe setzt das, was geliebt wird in dasjenige, was es liebt, und sie setzt die Person, die liebt, in dasjenige, was geliebt wird. Der heilige Dionysius sagt auch,[42] dass Liebe eine geteilte Sache in ein ungeteiltes Eines verkehrt. Folglich vereint Liebe dies,[43] so dass die liebende Seele mit Gott eins geworden ist. Darum sagt unser Herr zu seinen Jüngern: “Wisst Ihr, was ich Euch getan habe?”[44] Und er sagte auch: “Was ich jetzt tue, das versteht Ihr nicht, doch Ihr werdet es später verstehen”,[45] wenn er sagen wird: Ihr seid aufgrund äußerer und grober Dinge so verbildet und verblendet, dass die inneren Dinge noch nicht erkennen könnt.
<:7>Unsere herre sprach auch: das broit daz ich salle geben, das ist myn fleisch. Der (382) | propheta spricht, das der mensch aße der engel broit. Raphael sprach zu dem jungen Dobias: die spise die ich essen, der enmagstu nyt gesehen. Augustinus [65a] spricht: Es enwardt nye nature edeler dann die nature Christi sele. Das ist darumbe, want sie geeynet wardt mit der gotheyt. Es enwardt auch nye seele geschaffen luter creature zu sin, die also edel were na ir nature als der mynste engel der ye geschaffen wardt, want an syner ersten formen magk der engel got ansehen. des enmag die sele nyt. Sie muß zum ersten geeyniget werden in die forme des lichamen. Dionisius spricht: der engel ist eyn offenbarunge gotlichs liechtes, want durch yn schynet das gotlich liecht in die sele. Dionisius spricht auch, der engel sij eyn durchluchtig spiegel. Herumbe wan [65b] wir alle begeben als der engel, so sin wir als der engel luter, clare das gotlich liecht zu begriffen als der engel.
<:7>Unser Herr sagte auch: “Das Brot das ich Euch geben werde, das ist mein Leib“.[46] Der Prophet sagt,[47] dass der Mensch des Engels Brot aß. Raphael sagte zum jungen Tobias:[48] Die Speise, die ich aß, kannst Du nicht sehen. Augustinus sagt: Kein Wesen war edler als das Wesen von Christi Seele.[49] Denn es war mit der Gottheit vereint. Doch keine Seele war geschaffen, dass sie einfach nur Geschöpf sein sollte, die so edel ihrem Wesen nach war wie der kleinste Engel, der je geschaffen wurde, denn in seiner ersten Ausformung kann der Engel Gott schauen. Das kann die Seele nicht.[50] Sie muss zuerst mit der Form des Körpers vereint werden. Dionysius sagt: der Engel ist eine Offenbarung von Gottes Licht, denn durch ihn scheint das göttliche Licht in die Seele.[51] Dionysius sagt auch, dass der Engel ein durchsichtiger Spiegel ist.[52] Wenn wir folglich weggeben, wie der Engel, dann sind wir so rein wie der Engel, um das göttliche Licht durchsichtig wie der Engel zu fassen.
<:8>Vier stucke sal der lichame hann nach diesem libe. Subtiligkeyt. want were eyn stein oder eyn andere ding, was das were, also groß als alles erterich und das das ganze were an allen steden und were eyne sele darinne mit dem lichamen nach der ufferstendungen, die daruß wolde, sie fure daruß one alles hindernysse des lichamen. Das andere das ist clarheyt. Er sal siebenstunt clarrer werden dan die sonne wan sie noch siebenstunt clarer wurdt dan sie itzunt ist, ia tusentstunt [66a] wurt er clarrer. Das dritte ist lichtigkeyt, das ist das er uff der lufft gan magk als unsere herre hie bewisete uff dem wassere. Das vierde ist unlidelichkeyt, das ist das yne keyne fure gebornen enmagk noch keyn wassere erdrencken nach keyn wafen gewunden nach keynerley anfelligkeyt enmag yne nyt lidende gemachen. Die ersten dru die hatte unsere herre Jhesus Christus in syme dotlichen libe: subtiligkeyt da er von unsere lieben frauwen libe kquame, clarheyt da er syne<n> jungern uff dem berge erscheyn, lichtigkeyt da er uff dem wassere gingk. Diß hatten auch sin apposteln gesehen und enwischten doch [66b] nyt was es bedute. Des mochte er wol sprechen: wißent ir waz ich uch getan hann? Neyn! ir enwissent es noch nyt. Ir sollent es aber hernach wißen.
<:8>Vier Dinge muss der Körper haben nach diesem Leben. Feinheit. Denn wenn ein Stein oder etwas anderes, was auch immer es ist, so groß wie das ganze Erdreich wäre und an alle Städte reichen würde, und es gäbe eine einzige Seele darin mit einem Körper nach der Auferstehung, und sie wünschte, aus diesem[53] herauszukommen, sie würde sich herausbewegen, ohne durch den Körper gehindert zu werden. Das zweite ist Helle.[54] Er muss siebenmal heller sein als die Sonne, wenn diese siebenmal heller ist als sie es jetzt ist, ja, er wird tausendmal heller sein. Das dritte ist Leichtigkeit. Dass er in der Luft sich bewegen kann, wie es unser Herr auf dem Wasser bewiesen hat.[55] Das vierte ist Leidensunfähigkeit. Das heißt, dass weder Feuer in gebären noch Wasser ihn ertränken kann, noch dass er durch eine Waffe überwunden oder durch irgendein Leiden ergriffen werden kann. Die drei ersten hatte unser Herr Jesus Christus in seinem sterblichen Körper: Feinheit, insofern er aus dem Körper unserer Frau stammt, Helle, als er seinen Jüngern auf dem Berg erschienen war, Leichtigkeit, als er auf dem Wasser ging. Das haben auch seine Apostel gesehen, doch sie konnten nicht ergreifen, was es bedeutete. Das wollte er ausdrücken: “Wisst Ihr, was ich Euch getan habe? Nein! Ihr wisst nicht, doch später, sollt Ihr wissen”.[56]
<:9>Das wir uns und got bekennen muszen luterlich nach der ubersten warheit, des helff uns der der die warheyt ist. Amen.
<:9>Dass wir uns und Gott auf reine Weise[57] gemäß der höchsten Wahrheit kennen sollen, dazu verhelfe uns derjenige, der die Wahrheit ist.[58] Amen.




[1] Ioh. 13,12: “Postquam ergo lavit pedes eorum, et accepit vestimenta sua, cum recubuisset iterum, dixit eis: Scitis quid fecerim vobis?” Der liturgische Ort: Evangelistar., Arch. f. 444vb: “Feria quinta in cena Domini. Secundum Iohannem [13, 1–15]. In illo tempore [> Vg.] ante diem festum Pasche, sciens Ihesus quia venit eius hora [hora eius Vg.] ut transeat ex hoc mundo ad Patrem: cum dilexisset suos, qui erant in mundo, in finem dilexit eos. Et cena facta, cum diabolus iam misisset in cor ut traderet eum Iudas Symonis Scariothis: sciens quia omnia dedit ei patrer in manus, et quia a Deo exivit, et ad Deum vadit: surgit a cena, et ponit vestimenta sua: et cum accepisset linteum, precinxit se. Deinde misit [mittit Vg.] aquam in pelvim, et cepit lavare pedes discipulorum, et extergere linteo, quo erat precinctus. Venit ergo ad Symonem Petrum. Et dicit ei Petrus: Domine, tu michi lavas pedes? Respondit Ihesus et dixit ei: Quod ego facio, tu nescis modo, scies autem postea. Dicit ei Petrus: Non lavabis michi pedes in eternum. Respondit ei Ihesus: Si non lavero te, non habebis partem mecum. Dicit ei Symon Petrus: Domine, non tantum pedes meos, sed et manus, et caput. Dicit ei Ihesus: Qui lotus est, non indiget nisi ut pedes lavet, sed est mundus totus. Et vos mundi estis, sed non omnes. Sciebat enim quisnam esset qui traderet eum: propterea dixit: Non estis mundi omnes. Postquam ergo lavit pedes eorum, et accepit vestimenta sua: cum recubuisset iterum dixit eis: Scitis quid fecerim vobis? Vos vocatis me magister, et Domine, et benedicitis: sum etenim. Si ergo ego lavi pedes vestros, Dominus, et magister: et vos debetis alter alterius lavare pedes. Exemplum enim dedi vobis, ut quemadmodum ego feci vobis, ita et vos faciatis”.
[2] Vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 144,10-1): “ergo agnitio sui ipsius et infirmitatis propriae est unum quod praemittitur ad parandum”.
[3] Vgl. Eckhart, Hom. 32* [S 108], n. 4: “Ouch sprichet Bêdâ, daz unser herre ze dem êrsten ze sant Pêtrô kam. Danne Jûdas der hâte sich durch sînen vrevele ze vor gesast. Und dem wurden ze dem êrsten die vüeze getwagen”; DW IV 739 notiert, dass dieses Thema nicht in Bedas Homilien zu finden sei, was korrekt ist, man findet es allerdings in Beda, In s. Joannis evangelium expositio (PL 802C-D). Nachdem diese Passage mit Judas beginnt und auch angemerkt wird, dass Jesus zu Petrus geht, “quasi aliquibus jam lavisset, et post eos venisset ad primum“, erklärt sich, warum Eckhart den Faden zwischen Chrysostomus und Beda spannen konnte. Anders als in Hom. 32*, wo Chrysostomus als Name nicht begegnet, werden hier beide, Chrysostomus und Beda erwähnt. Vgl. auch Th. Aqu., Super Evangelium S. Ioannis lectura, c. 13, 6 (ed. Cai, 328b): “Secundo exponitur, secundum Chrysostomum, ut scilicet Christus inceperit prius lavare pedes a primis Apostolorum. Sed quia proditor ille stultus erat et superbus, scilicet Iudas, prior ad pedum ablutionem recubuit ante Petrum. Nullus enim aliorum ausus fuisset Petrum praevenire”.
[4] Vgl. die Parallele in Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 144,2-3): “In signum huius etiam Christus lavit et mundavit pedes discipulorum, ut etiam contagia minima docerentur auferenda”.
[5] Ioh. 13,8: “Dicit ei Petrus: Non lavabis mihi pedes in aeternum”.
[6] Zu Bedea, vgl. weiter oben.
[7] Nicht identifizierte Quelle.
[8] Ioh. 13,7: “Respondit Jesus, et dixit ei: Quod ego facio, tu nescis modo: scies autem postea”.
[9] Ioh. 13,9: “Si non lavero te, non habebis partem mecum”.
[10] Vgl. hierzu Hom. 32* [S 108], n. 2: “Ist daz ich dich niht entwahe, sô enhâst dû kein teil mit mir”; zum Vergleich der Gnadengabe Gottes in Teilen und zu der vollkommeneren im Sakrament der Eucharistie vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 141,10-1): “Si autem deus dat gratiam per partes, multo fortius in hoc sacramento, in quo latet fons gratiae”.
[11] Vgl. Eckhart, Hom. 66* [Q 71], n. 5: “Ein meister sprichet: in gote enist niht minner und mê noch daz und daz”; der erwähnte Meister scheint Thomas zu sein: Th. Aqu., Summa theologiae I q. 2 a. 3.
[12] Ioh. 13,9: “Dicit ei Simon Petrus: Domine, non tantum pedes meos, sed et manus, et caput’; see on this Hom. 32* [S 108], n. 11: ‘Dô sprach sant Pêter: ‘herre, niht aleine entwahe mîne vüeze, sunder hende und houbet’”.
[13] Ioh. 13,10: “Dicit ei Jesus: Qui lotus est, non indiget nisi ut pedes lavet”.
[14] Vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 146,13-4): “in hac sacra(menti) perceptione debet esse collectio desideriorum unitorum in deum”.
[15] Ioh. 13,9.
[16] Vgl. Eckhart, Hom. 77* [Q 82], n. 3: „wan alliu diu werk, diu der mensche würket mit der hant, diu entspringent in dem herzen und tretent vürbaz in diu glit und werdent volbrâht an der hant“.
[17] Die Hs. hat ‘gewerden’.
[18] Vgl. Eckhart, Hom. 80* [W 30], n. 9: “Sehet, diu natûre hât <zwô meinunge>, daz ein ieglich glit dâ würket an dem menschen. Diu êrste meinunge, die ez meinet in sînen werken, daz ist, daz ez dem lîchamen zemâle diene und dar nâch einem ieglîchen glide sunderlîche als im selben und niht minner dan im selben noch enmeinet sich selben niht mê in sînen werken dan ein ander glit”.
[19] Ioh. 13,10.
[20] Ioh. 6,54: “Dixit ergo eis Jesus: Amen, amen dico vobis: nisi manducaveritis carnem Filii hominis, et biberitisejus sanguinem, non habebitis vitam in vobis”. Vgl. die Gegenüberstellung von körperlicher und geistiger Speise in Eckhart, Sermo V,3 (LW IV 48,9).
[21] Vgl. Ioh. 13,21: “Cum hæc dixisset Jesus, turbatus est spiritu: et protestatus est”; Ioh. 6,61: “Multi ergo audientes ex discipulis ejus, dixerunt: Durus est hic sermo, et quis potest eum audire?”; Ioh. 6,66: “Ex hoc multi discipulorum ejus abierunt retro: et jam non cum illo ambulabant”.
[22] Ioh. 6,68: “Dixit ergo Jesus ad duodecim: Numquid et vos vultis abire?”
[23] Ioh. 6,69-70: “(69) Respondit ergo ei Simon Petrus: Domine, ad quem ibimus? verba vitæ æternæ habes: (70) et nos credidimus, et cognovimus quia tu es Christus Filius Dei”.
[24] Vielleicht Augustinus, Confessiones XIII, c. 8 n. 9 (ed. Verheijen, 246, 13–4): “da mihi te, deus meus …”; vgl. auch Eckhart, Hom. 56* [20a], n. 5: “Sant Augustînus sprichet: herre, nimest dû dich uns, sô gip uns einen andern dich”. Vgl. die Parallele Hom. 32* [S 108], n. 7: “Dar umbe sprichet sant Augustînus: herre, nimest dû uns dich, sô gip uns einen andern vür dich”; Hom. 56* [Q 20a], n. 5: “Sant Augustînus sprichet: herre, nimest dû dich uns, sô gip uns einen andern dich, oder wir engeruowen niemer; wir enwellen anders niht dan dich”; Hom. 57* [Q20b], n. 3: “Nû sprichet sant Augustînus3: herre, benimest dû uns dich, sô gip uns einen andern dich, anders uns engenüeget niht dan an dir, wan wir enwellen niht dan dich”; BgT (DW V 18,3-9): “Und anderswâ sprichet er (= Augustinus): ‘wie möhte dem genüegen an gotes gâben an den crêatûren, dem an gote selben niht engenüeget?’ ... Er (= ein guoter mensche) sol alle zît sprechen: herre gôt und mîn trost, wîsest dû mich ûf iht von dir, sô gip mir einen andern dich, daz ich gange von dir ze dir, wan ich enwil niht wan dich”.
[25] Vgl. Hil. Pict., De trinitate VIII 11 (ed. Hurter [Innsbruck, 1887], 309): “Tum deinde unitatis profectus exemplo unitatis ostenditur, cum ait: Sicut tu Pater in me, et ego in te, ut et ipsi sint in nobis unum: ut sicut Pater in Filio, et Filius in Pater est, ita per hujus unitatis formam in Patre et Filio unum omnes essent”; und auch ibid. VIII 15 (314-5): “cur gradum quendam atque ordinem consummandae unitatis exposuit: nisi ut cum ille in Patre per naturam divinitatis esset, nos contra in eo per corporalem ejus nativitatem, et ille rursum in nobis per sacramentorum inesse mysterium crederetur: ac sic perfecta per Mediatorem unitas doceretur, cum nobis in se manentibus ipse maneret in Patre, et in Patre manens maneret in nobis; et ita ad unitatem Patris proficeremus, cum qui in eo naturaliter secundum nativitatem inest, nos quoque in eo naturaliter inessemus, ipso in nobis naturaliter permanente?” Vgl. auch Th. Aqu., Catena aurea (ed. S.E. Fretté [Paris, 1876] 650): “Hilarius, VII De Trin. post princ. Tum demum unitatis profectus, exemplo unitatis ostenditur cum ait: Sicut tu Pater in me, et ego in te, ut et ipsi in nobis unum sint: ut scilicet sicut Pater in Filio, et Filius in Pater est, ita per hujus unitatis formam in Pater et Filio unum omnes essent”.
[26] dan hs.] das Strauch.
[27] Vgl. Augustine, Conf. c. 10 n. 16, CChr.SL 27 (103,17-104,20): “et inveni longe me esse a te in regione dissimilitudinis, tamquam audirem vocem tuam de excelso: ‘cibus sum grandium: cresce et manducabis me. Nec tu me in te mutabis sicut cibum carnis tuae, sed tu mutaberis in me’”; dieses Zitat und die Referenz finden sich auch in Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 158,3-5); vgl. auch Eckhart, Acta Echardiana (Proc. Col. II n. 113) (LW V 345,8-10): “Verum est, devotum et morale, secundum illud Augustini: ‘cresce, et manducabis me. Nec tu me mutabis in te, sicut cibum carnis tuae, sed tu mutabens In me‘”; vgl. auch Eckhart, Hom. 32* [S 108], n. 10: “dû solt in mich gewandelt werden”; Hom. 56* [Q 20a], n. 6: “Dâ von hât er sich bekleidet mit dem rocke der glîchnisse des brôtes, englîches als diu lîplich spîse gewandelt wirt mit mîner sêle, daz enkein winkelîn in mîner natûre niht enist, ez enwerde dar în vereinet”; Hom. 57* [Q 20b], n. 4: “Sant Augustînô grûwelte vor dirre spîse; dô sprach im ein stimme zuo in dem geiste: ‘ich bin ein spîse der grôzen; wahs und nim zuo und iz mich. Dû enverwandelst mich niht in dich, mêr: dû wirst gewandelt in mich“.
[28] Vgl. IgnRom. 4; vgl. Hermann von Fritzlar, Heiligenleben 78,6.28ff.
[29] Eccli. 35,13: “quoniam Dominus retribuens est, et septies tantum reddet tibi”.
[30] Vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 147,7): “Quia ibi stillat fons omnium gratiarum”.
[31] Vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 140,1): “Primo ergo commendat hoc pascha, quia hoc tam corpus reficit quam animam”.
[32] Vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 143,8): “paratur mundas conscientias habentibus”; und ibid. (146,1-2): “ex cognitione propriae infirmitatis consurgit humilitas et gratia”.
[33] Nicht identifiziert, vgl. aber I Cor. 15,22: “in Christo omnes vivificabuntur”.
[34] Matth. 24,47: “super omnia bona sua constituet eum”; vgl. Eckhart, Hom. 52* [Q 64], n. 3: „nun nim ich ain wörtlin, sprach vnser her: ‘ganc in, getrüwer chnecht, | (88) ich sol dich seczen boben all mein gu°t’“.
[35] Vgl. Augustinus, En. in Ps. 145 n. 11 (PL 37,1891): „Eris tu possessio, et possidebis; possessio dei eris, et possessio tua erit deus: tu eris possessio eius, ut colaris ab eo; et ipse erit possessio tua, ut colas eum“; id., En. in Ps. 32, Sermo 2 n. 18 (PL 36,295): „Possidet ergo (scil. deus), et possidetur, et totum propter nos. Non enim quomodo, ut nos ex illo beati simus, possidetur a nobis, ita et ille, ut beatus sit, possidet nos. Et possidet, et possidetur, non ob aliud nisi ut nos beati simus”; vgl. die parallele Passage, wo auf dieses Zitat verwiesen wird, Eckhart, Hom. 100* [Q 17], n. 7: Augustînus sprichet: swer wil, daz got sîn eigen sî, der sol ê gotes eigen werden, und daz muoz von nôt sîn.
[36] Vielleicht Ps. 72,26: “Defecit caro mea et cor meum”.
[37] Nicht identifiziert.
[38] Ps.-Augustinus, oder vielmehr Bernardus, De praecepto et dispensatione, c. 20, n. 60 (ed. Leclerq and Rochais, 292, 24–5): “Neque enim praesentior spiritus noster est ubi animat, quam ubi amat”; die gleiche Referenz findet sich in Eckhart, Hom. 13* [S 102], n. 12: “Wan sant Augustînus sprichet: ‘diu sêle ist mê dâ si minnet, dan dâ si in dem lîbe ist, dem si doch leben gibet’”.
[39] Cant. 8,6: “Fortis est ut mors dilectio, dura sicut inferus (… aemulatio)”; vgl. Eckhart, Hom. 15* [S 103}, n. 27: “Der tôt scheidet die sêle von dem lîbe”.
[40] i.e. die Liebe.
[41] Vgl. Ps.-Dionysius, De div. nom. c. 4 § 12. 17 (PG 3,710D): “Estque hoc virtutis cujusdam unificae ac collectivae excellenterque contemperantis, quae in pulchro et bono per pulchrum et bonum praeexistit, et ex pulchro et bono propter pulchrum et bonum emanat, continetque quidem aequalia per mutuam connexionem, superiora vero ad inferiorum movet providentiam, inferiora porro per conversionem quamdam superioribus inserit”; 714D: “dicamus, unam esse simplicem virtutem, per se moventem unitivam quamdam mistionem ex bono usque ad extremum eorum quae exsistunt, et ab illo rursus consequenter per omnia ad bonum, ex seipsa, per seipsam, et in seipsa seipsam revolventem, et ad seipsam semper eodemmodo revertentem”; zu diesem Zitat vgl. auch Eckhart, In Eccli. (LW II 236,4): “amor ex sui proprietate unitivus est”; In Ioh. (LW III 569,9): “amor specialiter ex sui natura sit unitivus”; Serm. 6,1 (LW IV 51,4): “caritas sive amor est uniens, et quanta est illa unio”; Serm. 44,1 (368,5): “amor enim nunquam deserit”. Vgl. auch Iohannes Scottus, Periphyseon II (ed. Jeauneau, 107, 2601–9): “Humana siquidem mens notitiam suam, qua se ipsam cognoscit, ueluti quandam prolem sui de se ipsa gignit. Et est sui notitia aequalis sibi, quia se ipsam totam nouit ad similitudinem dei et patris, qui de se ipso filium suum qui est sapientia sua gignit … Ex humana mente procedit appetitus quidam, quo se ipsam quaerit ut suam notitiam pariat …”; vgl. hierzu Eckhart, Hom. 29* [Q 43], n. 11.
[42] Vgl. Ps.-Dionysius, De eccl. hier. c. 3 (PG 3,424C; Dionysiaca 1163,2-1164,1): “unaquaque sacra perfectiva actione partitas nostras vitas in uniformem deificationem colligente et diversarum deiformi complicatione ad unum communionem et unitatem donante” (secundum versionem Iohannis Scotti); die gleiche Referenz steht in Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 147, 1-4).
[43] Vgl. die voranstehenden beiden Anmerkungen.
[44] Ioh. 13,12.
[45] Ioh. 13,7. An dieser Stelle unterlief Strauch bei seiner Transkription eine Dittographie, es war folgender Text zu entfernen: ‘das enwissent ir nyt. ir sollet es aber hernach wißen, als er sprechen sulde’.
[46] Ioh. 6,52: “et panis quem ego dabo, caro mea est”.
[47] Ps. 77,25: “Panem angelorum manducavit homo”.
[48] Tob. 12,19: “ego cibo invisibili, et potu qui ab hominibus videri non potest, utor”.
[49] Vgl. Eckhart, Hom. 84* [Q 86], n. 16: “Züge got daz sîne abe der sêle Kristî, dâ ir geist geeiniget ist an die êwige persône, Kristus blibe blôze crêatûre. Dâ von bedarf man des éinen wol”.
[50] Vgl. Eckhart, Hom. 16* [S 104], n. 5: “Wan aber daz lîden und daz schouwen gotes dem geiste überlestic ist sunderlîche în disem lîbe, dar umbe underziuhet sich got dem geiste underwîlen“.
[51] Vgl. Eckhart, Hom. 24* [Q 19], 3: „des engels lieht überschîne daz lieht der sêle und bereite und vüege sie, daz daz götlîche lieht dar inne gewürken müge“; Hom. 37* [Q 36b], n. 2: „alsô tritet diu sêle ûf mit des engels liehte in götlich lieht“.
[52] Vgl. Ps.-Dionysius, De divinis nominibus, c. 4, § 22 (PG 3, col. 724B; Dionysiaca pp. 269, 3–270, 3): “manifestatio occulti luminis, speculum purum suscipiens totam … pulchritudinem boniformis deiformitatis et munde resplendere faciens in se ipso, quemadmodum possibile est, bonitatem silentii, quod est in adytis” (Vgl. nutzt Eckhart eine Vorlage mit der Lesart “abditis”, vgl. Albertus, Super Dionysii De divinis nominibus, c. 4 n. 182 [ed. Simon, 268, 13–4]: quod est in abditis, idest in occultis divinitatis, vel in aditis, idest quae adiri non possunt”); vgl. die Parallele in Eckhart, Hom. 71* [Q 780], n. 5: “Dionysius sprichet: ein engel ist ein spiegel âne vlecken’”; vgl. auch Hom. 4* [Q 77], n. 3: “Der dritte sprichet, er [der engel] sî ‘ein lûter spiegel; vgl. auch ibid. n. 11.
[53] i.e. dem Erdreich.
[54] Zu “clarheyt”, vgl. Eckhart, Hom. 5* [Q 22], n. 7.
[55] Vgl. Matth. 14,25.
[56] Ioh. 13,7.
[57] Vgl. Eckhart, Sermo Paschalis (LW V 143,11-2): “Ergo mundis tantum paratur”; vgl. auch Hom. 32* [S 108], nn. 11-4.
[58] Ioh. 14,6: “Dicit ei Jesus: Ego sum via, et veritas, et vita”.

Predigt * [München]

Am Festtag des heiligen Johannes, Apostel und Evangelist (27.12.)
“Petrus vidit illum discipulum quem diligebat Jesus sequentem” (Ioh. 21,20)


Einführung

Die Schriftpassage, die Eckhart behandelt ist Teil der Evangelienlesung am 27.12. des Kirchenjahres, 
auch wenn er sich selten als Predigttext in den erhaltenen Predigtsammlungen des Mittelalters findet.[1]
               Der Predigttext ist leider nur unikat als Fragment erhalten in der Handschrift München, 
BSB, Cgm 186, fol. 162r–165v. Dort findet sie sich im Anschluss an die mittelhochdeutsche Übertragung 
des Lebens des Heiligen Dominikus von Dietrich von Apolda.
               Bislang hat es zu dem Rückverweise von Hom. 67* [Q 31], n. 7 („Ich hân ez ouch mê gesprochen: 
wære ich îtel und hæte ein inviuric minne und glîcheit, ich züge got alzemâle in mich“) noch keinen 
rechten Anhalt gegeben, doch könnte er durchaus auf die vorliegende Predigt, n. 2 gehen („vnd dz ist 
dannen von. won ain iegklich geschaffen ding z#euhet vnd minnet dz ds es ist vnd all sin volkumenhait 
von dem ersten oberesten anuang dz gott ist“).
 

Editionen und Kommentare

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Frühere Übersetzungen

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Text und Übersetzung


<:1> [162r]<P>etrus uidit illum discipulum quem diligebat jhesus sequentem petrus sach den junger den jhesus minnet nach volgen vnd der da r#ouwet vff sim hertzen an dem nacht mäl
<:1>„Petrus vidit illum discipulum quem diligebat Jesus sequentem“.[1] Petrus sah den Jünger, den Jesus liebte, nachfolgen, und der da ruht auf seinem Herzen bei dem Nachtmal.[2]
<:2>sanctus dyonysius spricht ain ieglich ding daz genaiget ist. z#ou selikait vnd volkumenhait. ist so vil seliger vnd volkumener so vil es neher vnd z#ou gezogner ist dem dz da gewärlich vnd aigenlich vnd s#ealig vnd volkumen ist vnd von dem ez entl#euhtung enphahet. vnd dz ist dannen von. won ain iegklich geschaffen ding z#euhet vnd minnet dz ds es ist vnd all sin volkumenhait von dem ersten oberesten anuang dz gott ist. der alle volkumenhait het on allen gebresten.

<:2> Sankt Dionysius spricht:[3] „Ein jeglich Ding, das geneigt ist zur Seligkeit und Vollkommenheit,[4] ist desto seliger und vollkommener[5] je näher und hingezogener[6] es ist zu dem, was da zuverlässig und eigentlich und selig[7] und vollkommen ist und von dem es Erleuchtung[8] empfängt“.[9] Und das geschieht daher, dass ein jeglich geschaffenes Ding dasjenige anzieht und liebt,[10] von dem es ist, und dass es all seine Vollkommenheit von dem ersten, obersten Anfang hat,[11] der Gott ist, der alle Vollkommenheit hat ohne jeglichen Mangel.[12]



<:3>vnd [162v] da von spricht anshelmus dz erst ist rich vnd volkumen von jm selber. da von so vil ain iegklich ding neher ist. vnd gelicher gott ist so vil me ist ez neher vnd innerlicher mit gott. geainbert der ain brunn ist vnd ain  vrspr#eungkliche anuang aller vollkumenhait. vnd da von wirt och der mensch edler vnd volkumner an allen den dingen die gott z#ou geh#eorend vnd genaigt sind. Je me vnd ie neher er sich z#ou gottlicher aigenschafft f#eugt. aber #evber alle die vollkumenhait die man gott git vnd gott z#ou geh#eoren mag. ist die w#eurkung der verstanust. vnd des willen. won mit der w#eurkung der gottlichen verstanust gebirt der vatter den sun. der von dem vatterlichen hertzen in wortes wis. vnd #evstan nust enspringet vnd vsgait. mit dem wort #evstait der vatter. sich selben. vnd etli anderi ding von imselben as augustinus spricht von dem kumet der hailig gaist als ain minnen mit der gott der vatter sich minnet vnd jm selben geualet in dem sun vnd elly ding schepfet gar g#out als sant augustinus spricht [163r] vff ds wort spiritus divini verebatur super aquas. Gottes gaist in wonhafft vff dem wasser. vnd Gott sach elle ding die er geschaffen het vnd  warent gar g#out. dis ist aber die enph#eanglichy enl#euchtung. da mit der mensch als der engel z#ou gott gezogen vnd gott gelich w#eurt also das von der enl#euchtung wegen vnd von der w#eurkung der verstanust die mit den gottlichen liecht enz#eut ist. das ist die w#eurkung des willen vnd des begrid die sich vswendig brucht vnd zaigt mit der als aristotiles spricht homo sodinn et zeter

<:3>Und davon spricht Anselm: „Das erste ist reich und vollkommen durch es selbst“.[13] Denn je näher und ähnlicher jegliches Ding Gott ist, desto näher und innerlicher ist es Gott, je gefasster ein Brunnen[14] ist und ein ursprünglicher Beginn aller Vollkommenheit.[15] Und dadurch wird auch der Mensch edler und vollkommener an allen den Dingen, die Gott zugehören und zugeneigt sind, je mehr und je näher er sich zur göttlichen Eigenschaft[16] fügt. Doch über all die Vollkommenheit, die man Gott gibt und die Gott zugehören mag, geht das Wirken der Vernunft und des Willens. Denn durch das Wirken der göttlichen Vernunft gebiert der Vater den Sohn, der dem väterlichen Herzen[17] als Wort und Vernunft entspringt und von ihm ausgeht. Mit diesem Wort versteht der Vater sich selbst und alle anderen Dinge durch sich selbst,[18] wie Augustinus spricht: Von diesem kommt der Heilige Geist als Liebe, mit der Gott, der Vater, sich liebt und sich selbst in dem Sohn gefällt und alle Dinge als vollends gut schafft,[19] wie Sankt Augustinus spricht über den Vers: „Spiritus divini verebatur super aquas“.[20] „Gottes Geist wohnt über dem Wasser“.[21] Und Gott sah alle Dinge, die er geschaffen hatte und sie waren sehr gut. Dies aber ist die empfangene Erleuchtung, mit der der Mensch wie der Engel zu Gott gezogen und Gott gleich wird aufgrund des Wirkens der Vernunft, die mit dem göttlichen Licht entzündet ist.[22] Entsprechend ist die Wirkung des Willens, was denn die begreifen, die sich nach draußen kehren, was Aristoteles belegt, wenn er spricht: „Homo“ und so weiter etc.[23]
<:4>der mensch der nach der verstanust. w#eurket der ist gott alle gelichest vnd aller liebst. vnd dis regel halt dyonisius da er redet von den engelschen koren vnd spricht kerrubin vnd serraphin ist als fil gesprochen als zundet als brinnet. von minnen ist. kerubin als fil gesprochen als voll kunst als l#euchtet. zvon die engel sind mit gott aller n#east verainbart.

<:4>Der Mensch, der nach der Vernunft wirkt, der ist Gott in allem gleich und am allerliebsten. Und diesen Grundsatz kennt Dionysius, wenn er von den Engelschören spricht und Cherubim und Seraphim nennt. „Seraphim“ heißt so viel wie Angezündet, da er vor Liebe brennt, Cherubim so viel wie Weisheit, da sie leuchtet.[24] Die beiden Engel sind mit Gott ganz eng verbunden.
<:5>wissend wen man von vollkumenhait der creatur redet so ist alweg die gros geachtet vnd geeret vor den vatterlichen hertzen die loblich magt marien gottes m#euter die vs genomen ist über all creaturen vnd erhöcht an den löb näch [163v] an Cristem geloben sy lait ir. de kain Creatur ir gelichnet noch genos noch kain gelichnust ist da von ze reden. da von sprichet der minn sam Anshelm#ou.

die selig Maria Gottes mGter so vil ist sy wirdiger vnd h#eoher ob allen Creaturen. also das under gott jr gelich nie funden wart noch niemer funden w#eurt. so vil ist sy me volkumner an aller luterkait vnd loblicher ob allen creaturen sy ist vol gnäd. da von sprich et orienus Inter omnes et zeter. vnder allen menschen die ie gnäd enpfiengend mocht kains menschen gnaid z#ou ir gnäd nie gelichen won sy gesetzt ist vff die oberesten statt der gnäd won sy gottes m#outer wart mit hertzen vnd mit lib vnd ain gaist vnd ain ansag ist mit irm sun wesenklichen.
<:5>Wenn man von der Vollkommenheit der Kreatur spricht, steht einem ebenfalls die gebenedeite Jungfrau Maria, Gottes Mutter, vor Augen als hoch geachtete und geehrte an dem väterlichen Herzen,[25] die an Lob herausgehoben und erhöht ist über alle Kreaturen,[26] deren Anliegen es war, Christus zu loben. Es ist zu erwähnen, dass keine Kreatur ihr gleich ist, noch kostete, noch kam, als Beispiel ist darauf zu verweisen, was der geliebte Anselm darüber sagt:
Die selige Maria, Gottes Mutter, ist soviel würdiger und höher als alle Kreaturen, so dass vor Gott ihres Gleichen nicht gefunden wurde, noch gefunden werden wird.[27] So viel ist sie vollkommener an aller Lauterkeit, und lobenswerter als alle Kreaturen, sie ist voll der Gnaden. Davon spricht auch Origenes: „Inter omnes“ etc.[28] Unter allen Menschen, die je Gnade empfangen haben, konnte keine Gnade eines Menschen ihrer Gnade gleich kommen, da sie an die oberste Stätte der Gnade gesetzt worden war, da sie Mutter Gottes war mit dem Herzen und dem Leib und zusammen mit ihrem Sohn dem Wesen nach ein Geist und eine Ursache ist.[29]
<:6>aber näch dir geerten magt gottes m#outer so ist der loblich fürst der aller luterst mensch sant der johanns der Ewangelist. so vil er me #evberfl#euset vnd für triffet #evber all creaturen vnd an des habend wir von im vrk#eund an gottlicher volkumenhait so fil ist er neher mit Gott ferainbert vnd gott z#ou gezogen vnd Gott gelichner denn ie Creatur. vnd [164r] des habend wir aber vrk#eund vnd bewerung an sant petern der ain ph#eundm#eunt in der cristenhait vnd ain beslieser der hell ain torwachter der himel. ain vestuung des globen vnd ain pfleger gotz an gottes statt. do im gott r#oufft z#ou der volkumnesten selikait das er im nachgieng vnd nach volgen söl mit der marter do kert er sich z#ou dem aller selgosten johannem recht als z#ou ainen richen vnd gütigen vnd vollen bilder aller volkumenhait vnd sach inn an vnd schowet. vnd wunderet vnd betrachtot vnd sinnot sich näch den r#ouf vnd da von stät geschriben petrus uidit illum Petrus sah den junger den jesus minnot im näch ze volgen vnd der da röwet uff sim hertzen. an den nacht mäl. In disen worten die man aigenlich mag z#euhen uff den loblichen geminnten junger sant johanns ist der geminnt joh(ann)es ger#eumt. an fünfer hand vol kumenhait.
1 Die erst ist an dem wort. petrus vidit.
2 Die fürtreffenlich glichnust dz er gelichet wart den aller volkumensten man vnd den gottlichen man sancto petro.
3 die andere ist die schowelich vnderschidung näch der verstanust al der die sunderbair vs genumen luterkait [164v] der fernuft die br#euft man an den worten illum discipulum dz spricht die minnsam der wellung näch der begird an den worten quem diligebat jhs spricht den Gott minnet
die fierd ist die gantz vnd volkumen nach volgung mit der vollf#eurung an dem wort sequentem etc spricht näch volgen oder näch genden
5) Die v ist die begärt vnd gew#eunst row gen sinem geminnten an den worten qui in cena recubuit
<:6>Doch nach der geehrten Magd, der Mutter Gottes, kommt der gelobte Fürst, der aller lauterste Mensch, St. Johannes, der Evangelist. Je mehr er alle Kreatur überfließt und übertrifft, von dem wir die Urkunde[30] der göttlichen Vollkommenheit besitzen, desto näher ist er mit Gott geeint und zu Gott hingezogen und Gott gleicher als jede Kreatur. Dafür besitzen wir auch eine Urkunde und einen Beweis[31] durch St. Petrus, der ein Fundament in der Christenheit, ein Verschließer der Hölle, ein Torwächter des Himmels, eine Festung des Glaubens und ein Vertreter Gottes and Gottes Statt ist. Da ihn Gott ruft zu der vollkommensten Seligkeit, dass er ihm nachgehen und nachfolgen soll mit dem Martyrium, da kehrt er sich zu dem allerseligsten Johannes recht als zu einem reichen und gütigen und voller Bilder aller Vollkommenheit und sah ihn an und schaute und wunderte sich und betrachtete, sehnte sich nach dem Ruf und davon steht geschrieben: „Petrus vidit illum [...]“,[32] »Petrus sah den Jünger, den Jesus liebte, ihm nachfolgen, und der da ruht auf seinem Herzen bei dem Nachtmal«. Mit diesen Worten, die man eigentlich auf den geliebten Jünger St. Johannes beziehen mag, wird der geliebte Johannes fünffacher Vollkommenheit gerühmt:
1) Die erste durch das Zitat ›Petrus vidit‹.
2) Das vortreffliche Gleichnis, dass er gleich gemacht wurde dem aller vollkommensten Menschen und dem göttlichen Menschen, St. Petrus.
3) Die dritte ist die sichtbare Unterscheidung[33] nach der man all die sonderbare, ausgesprochene Lauterkeit der Vernunft versteht, die man mit den Worten belegt: illum discipulum, das meint die Liebeswallung[34] der Begierde,[35] und die Worte: quem diligebat Jesus, die den meinen, den Gott liebt.
<4)> Die vierte ist das gänzliche und vollkommene Nachfolgen mit den angeführten Worten: sequentem etc.
5) Die fünfte ist die begehrte und gewünschte Ruhe zu seinem Geliebten mit den Worten: ›qui in cena recubuit‹.
<:7>Was spricht der an dem nacht mäl rowet vf sinem hertzen z#ou den ersten so w#eurt er gemint junger sant johanns Gelopt ander f#eur treffenden gelichnust z#ou sant petern den aller volkumesten vnd got aller nästen man vnd där nach z#ou allen luteren menschen die #eumer geborn sond werden bis an den jungsten tag vnd des habend wir vrk#eund also der erst vrsprung ains jegklichen dings ist edler vnd besser am im selben denn da von kund alder da von gezogen w#eurt disi ragel die ist wair on alle widerred Dz der erst vrsprung ains jeglichen dings ist volkumner vnd edler den dz da von kund nun sind dis zwen apostel als paulus spricht [165r] sy sind recht fursten s#eul der hailigen Cristenhait vnd allen cristinen l#euten die von inen al ze mal sind vnd dz ist bew#eart an den wörten die gott selber sprach ze sant petern dz er sin cristenhait vff inn wet buwen als ain vest pfündm#eunt
<:7>Was besagt es, „der beim Nachtmahl auf seinem Herzen ruht“? Erstens wird der geliebte Jünger St. Johannes gelobt durch das treffende Gleichnis von St. Petrus, den allervollkommensten und Gott allernächsten Menschen, und dann auch von allen lauteren Menschen, die jemals geboren werden bis an den jüngsten Tag.
Und hierfür haben wir eine Urkunde, denn der erste Ursprungs eines jeglichen Dings ist edler und besser in sich selbst, denn hieraus kommt alles, was daraus gezogen wird, dieser Grundsatz ist wahr ohne jeglichen Widerspruch. Denn der erste Ursprung eines jeglichen Dinges ist vollkommener und edler als das, was hieraus kommt. Nun sind es zwei Apostel, wie Paulus sagt, sie sind recht Fürsten der heiligen Christenheit[36] und aller Christenleuten, und überhaupt aller Menschen, und das ist bewiesen mit den Worten, die Gott selbst dem Petrus sagte, dass er seine Christenheit auf ihn bauen würde als ein festes Fundament.
<:8>hie by merken wir dz er wer ain fürsten sul die elly cristinen menschen vff enthielt und geflossen als von dem ersten vrsprung won dis zwen apostel warend on allen zwiffel die besten vnd die höhsten die do warend in den ziten in der hailigen cristenhait. nun möcht ietwar gedenken dz als g#out alder bessers noch werden möcht her näch alder dz ietzend als g#out wer alder besser by vnseren ziten ald hinnazem jungsten tag des bewiset vns die Glos #evber dz wort. nos primitias spiritus habentes. dz spricht wir habend den ersten vrsprung des gaist. vnd spricht die Glos ds die junger werin hailgerus vnd volkumers lebens denn elli menschen die iemer sond geborn werden vntz an den iungsten tag. won der erst vrsprung des gaist het in inn volkumenlich alles dz da von fl#euset. Ist es nun also dz von den ersten vntz an den iunsten sy petrus wz der oberost vnd der best vnd dz der [165v] vnd dz der gm
<:8>Hierzu bemerken wir, dass er, der ein Fürst sein soll, der alle Christenmenschen tragend halte, geflossen ist vom ersten Ursprung. Denn diese zwei Apostel waren ohne allen Zweifel die besten und die höchsten, die da in der Zeit der heiligen Christenheit existierten. Doch nun möchte ich etwa daran erinnern, dass, wer so gut, hernach noch besser werden könne, dass der, der bereits jetzt so gut wäre in unseren Zeiten, später am jüngsten Tag noch besser würde, was uns die Glosse zu dem Vers beweist: ›nos primitias spiritus habentes‹ (Rm 8,23).[37] Dies heißt, dass „wir den ersten Ursprung des Geistes besitzen“. Und selbst wenn die Glosse sagt, dass die Jünger heiliger und vollkommeneren Lebens seien als alle Menschen, die jemals geboren werden bis an den jüngsten Tag. Weil der erste Ursprung des Geistes hätte in ihnen[38] auf vollkommene Weise alles, was daraus fließt. Ist es nun folglich, dass von dem ersten bis zum letzten St. Petrus der Oberste und der Beste war und dass der und das der gem[39]





[1] Ioh. 21,20: „Petrus videt illum discipulum quem diligebat Jesus sequentem”.
[2] Vgl. die zuvor diskutierte ausführliche Parallele bei Eckhart, In Ioh. nn. 736–40 (LW III 642,1–645,5).
[3] Hier liegt kein Zitat vor, sondern eine Rezeption von Pseudo-Dionysius, die vielleicht über Thomas Gallus, De septem gradibus contemplationis, erfolgte; vgl. zu diesem Werk Gabriel Théry, „Thomas Gallus et Égide d’Assisi: le traité De septem gradibus contemplationis“, Revue néoscolastique de philosophie 36 (1934), 180–90; vgl. auch Boyd Taylor Coolman, „The Medieval Affective Dionysian Tradition“, in Sarah Coakley und Charles M. Stang (eds), Re-thinking Dionysius the Areopagite (Malden, 2009), 85–102, und Nigel F. Palmer, „‘In kaffin in got’. Zur Rezeption des ‚Paradisus anime intelligentis‘ in der Oxforder Handschrift MS. Laud Misc. 479“, in Burkhard Hasebrink, Nigel F. Palmer und Hans-Jochen Schiewer (eds), ›Paradisus anime intelligentis‹. Studien zu einer dominikanischen Predigtsammlung aus dem Umkreis Meister Eckharts (Tübingen, 2009), 69–132, 90–5.
[4] Die Kombination von Vollkommenheit und Seligkeit begegnet bei Eckhart, Hom. 110* [Q 10], n. 11: „in ganzer volkomenheit und in sælicheit“; so auch Hom. 59* [Q 42], n. 9: „Nû wizzet: alliu unser volkomenheit und alliu unser sælicheit liget dar ane, daz der mensche durchgange und übergange alle geschaffenheit und alle zîtlicheit und allez wesen und gange in den grunt, der gruntlôs ist“.
[5] Die Steigerung von ›vollkommen‹ begegnet wiederholt bei Eckhart, vgl. etwa Hom. 29* [Q 43], n. 4; Hom. 13* [S 102], n. 18.
[6] Vgl. Hom. 82* [Q 60], n. 5.
[7] Zur Seligkeit, die alle im Himmel und auf Erden gleich haben, die also der Mensch mit Maria wie den Heiligen gemein hat, dieselbe Würde und die selbe Tugend, die in dieser Predigt hier eine Rolle spielt vgl. den parallelen Gedanken bei Eckhart, Hom. 92* [Q 74].
[8] Hom. 12* [Q 14], n. 2: „Stant vp jherosalem inde wirt erluchtet“.
[9] Dass Vollkommenheit ›empfangen‹ (»alle volkommenheit z#ou empfahend«) wird, findet sich wiederholt und auch wörtlich bei Eckhart, Hom. 92* [Q 74], n. 4: „alle volkommenheit zuo empfahend“; Hom. 32* [S 108], n. 9: „Wan an im enpfæhet er volkomenheit“.
[10] Die Kombination von ›ziehen‹ und ›lieben‹ findet sich bei Eckhart und zwar mit einem Rückverweis: Hom. 67* [Q 31], n. 7 („Ich hân ez ouch mê gesprochen: wære ich îtel und hæte ein inviuric minne und glîcheit, ich züge got alzemâle in mich“).
[11] Vgl. Hom. 5* [Q 22], n. 10: „in dem êrsten beginne der êrsten lûterkeit“; vgl. ebd., n. 15; Hom. 18* [Q 1], n. 14: „in ir êrste begin“; Hom. 114* [Q 15], n. 11: „Ich hab och me gesprochen von dem ersten begin vnd von dem festen end. Der vater ist ain begin der gothait, wan er begriffet sich selber in im selber“; Hom. 100* [Q 17], n. 9: „In dem kumet si in daz êrste, in den begin“. Gott als „Anfang“ vgl. Eckhart, Hom. 110* [Q 10], n. 4: „der anevanc der meinunge ist got“.
[12] Vgl. z.B. Hom. 67* [Q 31], n. 3: „Diu sêle sol sich opfern mit allem dem, daz si ist und daz si hât, gebresten und tugende“; Hom. 8* [Q 76], n. 9: „Daz der mensche klaget und leidic ist, daz ist allez von gebresten“; Hom. 5* [Q 22], n. 7: „alle crêatûren die würkent nâch ir êrsten lûterkeit und nâch ir aller hœhsten volkomenheit. Viur als viur enbrennet niht; ez ist als lûter und als kleinvüege, daz ez niht enbrennet; mêr: diu natûre des viures diu brennet und giuzet in daz dürre holz sîne natûre und sîne klârheit nâch sîner allerhœhsten volkomenheit. Alsô hât got getân. Er hât die sêle geschaffen nâch der allerhœhsten volkomenheit und hât in sie gegozzen alle sîne klârheit in der êrsten lûterkeit, und ist er doch unvermischet bliben“; RdU (DW V 212,12–213,5): „Ez sint zwêne menschen: der ein mensche sî alsô, daz kein gebreste an in stôze oder wênic; aber der ander ist alsô, daz an in stôzent die gebresten. Von der ûzern gegenwerticheit der dinge sô wirt sîn ûzer mensche beweget [...]. Aber mit sînen obersten kreften sô stât er zemâle stæte, unbeweget und enwil niht des gebresten tuon“.
[13] Vgl. Eckhart, Hom. 55* [Q 80], n. 7, wo das Zitat ohne Quellenangabe steht, obwohl Eckhart kurz zuvor den „Liber de causis“ zitiert hatte. Auch ohne Quellenangabe lesen wir es in In Ioh. n. 97 (LW III 83,14-5). Dem „Liber de causis“ weist Eckhart den Gedanken ausdrücklich zu In Eccl. n. 12 (LW II 242,1-3). Den Gedanken finden wir in der Tat nicht bei Anselm, sondern im „Liber de causis“, prop. 20 (21), n. 162 (ed. Adriaan Pattin, “Le Liber de causis. Edition établie à l’aide de 90 manuscrits avec introduction et notes”, Tijdschrift voor Filosofie 28 [1966], 90–203, 92): “Primum est dives per seipsum et non est dives maius”. Eckhart las den “Liber de causis” bei und durch Albertus, De causis et processu universitatis II, tr. 4, c. 5 (Albertus Magnus, De causis et processu universitatis a prima causa, ed. Winfried Fauser, Alberti Magni Opera omnia. Bd. 17,2 [Münster, 1993]), 160,6–8: “Dives autem ad omnia et simpliciter dives simplicissimum est, quod in uno et unite omnia continet et habet, quae sunt idem ‘ei quod ipsum est’”. Vgl. Studi sulle fonti di Meister Eckhart I, ed. Loris Sturlese, Dokimion 34 (Freiburg, 2008), 139; die Stelle selbst steht also nicht bei Anselm, und „Anselmus“ ist vielleicht eine Verschreibung für „Albertus“; vgl. auch DW IV mit der ersten Fußnote zum Text von Pr. 117, in welchem weitere Textzeugen für die Rezeption bei Eckhart angeführt werden; zur Kombination von Pseudo-Dionysius und dem Zitat vom Ersten, das reich in sich selbst ist, vgl. Eckhart, Sermo 30 n. 55 (LW IV 55,1–4): „Adhuc nono dic quod dei natura, esse et vita subsistit in se communicando et se ipsum se totum dando. Primum enim est dives per se. Est ergo ipsi per se per se. Unde secundum Dionysium non ratiocinando se amare ipsum dat, sicut sol irradiat“.
[14] Vgl. BgT (DW V 14,4): „einiger brunne“.
[15] Vgl. Hom. 94* [S 95], n. 8: „ein brunne götlîcher edelkeit und ist got selber“.
[16] Zu dem Thema der göttlichen Eigenschaft vgl. Hom. 4* [Q 77], n. 6: „daz got und diu sêle sô gar ein18 ist, daz got kein eigenschaft haben enmac, mit der er gescheiden sî von der sêle oder kein anderz ensî“; Hom. 68* [Q 44], n. 7: „Daz ist gotes eigenschaft“.
[17] Der Gedanke, dass der Sohn von der göttlichen Kraft der Seele geboren wird, begegnet in Hom. 83* [Q 2], n. 9: „Wan der êwige vater gebirt sînen êwigen sun in dirre kraft âne underlâz, alsô daz disiu kraft mitgebernde ist den sun des vaters und sich selber den selben sun in der einiger kraft des vaters“; Hom. 95* [Q 27], n. 9: „In dem selben ursprunge, dâ der sun urspringet, dâ der vater sîn êwic wort ûzsprichet, und ûz dem selben herzen, dâ urspringet ouch der heilige geist und vliuzet ûz“; und Hom. 111* [S 106], n. 7: „Ze glîcher wîse als der êwic gotes sun quillet ûz dem veterlîchen herzen, alsô quillet er in einer gotminnender sêle“ und n. 8: „Ie dicker disiu geburt geschihet, ie inniger der mensche in daz veterliche herze gevüeget wirt“; er ist im ewigen Verstand, Hom. 41* [Q 4], n. 11: „Der vater gebirt sînen sun in dem êwigen verstantnisse, und alsô gebirt der vater sînen sun in der sêle als in sîner eigenen natûre und gebirt in der sêle ze eigen“; dass er im väterlichen Herzen ist, findet sich in Hom. 39* [Q 69], n. 15: „Vernünfticheit diu blicket în und durchbrichet alle die winkel der gotheit und nimet den sun in dem herzen des vaters und in dem grunde und setzet in in irn grunt“, und Hom. 96* [Q 75], n. 8: „Disiu geburt ist sîn verstantnisse, diu êwiclîche ursprungen ist von sînem veterlîchen herzen, in dem er alle sîne wunne hât ... wan der sun ist ein lieht, daz dâ êwiclîche geliuhtet hât in dem veterlîchen herzen“; er ist in einem reinen Herzen Hom. 49* [Q 5a], n. 8: „Merckend! Got enhat kein eygner statt dann ein rein hertz und ein reine sel; do gebirt der vatter sinen sun.
[18] Vgl. Hom. 114 [Q 15], n. 11: „Ich hab och me gesprochen von dem ersten begin vnd von dem lesten end. Der vater ist ain begin der gothait, wan er begriffet sich selber in im selber“; Hom. 78* [Q 23], n. 11: „Diu sêle erkennet von ûzen, got verstât in im selben durch sich selber, wan er ist ein ursprunc aller dinge“; hier wird bereits Augustinus mitgedacht, wie Eckhart in In Ioh. n. 568 (LW III 495,9–10), angibt: „pater autem principium est totius divinitatis, ut ait Augustinus -, nec aliter intellectui sufficit, quousque cognoscat rem in suis principiis“, und ebenso Sermo 2,1 (LW IV 7,4f.): „Ratio, quia secundum Augustinum ‘pater principium est totius deitatis‘“, und Sermo 2,1, LW IV 11,15): „‘pater secundum Augustinum ‚principium est totius deitatis‘“; vgl. Augustinus, De trinitate IV c. 20 n. 29 (PL 42,908).
[19] Vgl. Augustinus, De trinitate IV c. 20 n. 29 (PL 42,908): “spiritus vero sanctus, caritas et sua et patris et filii”; Augustinus, De trinitate XV c. 19 n. 37 (PL 42, 1086): “Et si caritas qua pater diligit filium et patrem diligit filius, ineffabiliter communionem demonstrat amborum, quid convenientius quam ut ille dicatur caritas proprie, qui spiritus est communis ambobus”; diesen Text benutzt Eckhart ganz ähnlich in In Ioh. n. 565 (LW III, 571,113): “spiritus sanctus procedit a filio, ubicumque procedit, sicut amor a notitia; filii autem ut filius non est generare filios, sed hoc est proprium patris”.
[20] Gn 1,2. Diese Stelle ist eine unmittelbare Parallele zu Eckharts Sermo 2,1 nn. 4–5 (LW IV, 7,1–12): „‘et spiritus domini ferebatur super aquas. Unde ibi scriptura in sui exordio trinitatem innuens nomen dei accipit in persona patris. Ratio, quia secundum Augustinum ‘pater principium est totius deitatis. Sequitur: ‘pacis, id est filii, Eph. 5: ‘ipse est pax nostra. ‘Dilectionis, id est spiritus sancti, Col. 1: ‘gratias agentes deo patri, qui nos transtulit in regnum filii dilectionis suae. Dilectio enim, qua se diligunt pater et filius, est ipse spiritus sanctus. Diligunt enim spiritu sancto, sicut arbor floret floritione, floret flore, Is. 11: ‘flos de radice eius ascendet, et requiescet super eum spiritus domini etc., ‘spiritus sapientiae etc. ‚Haec enim omnia operatur unus atque idem spiritus’; die Kombination der Genesisstelle mit der Auslegung des Augustinus und die Schlussfolgerung, dass es hier um die Frage der Herkunft geht, ist gerade wegen der verschiedenen Formulierung in der bruchstückhaften Predigt bei gleichem Gedankengang ein schwergewichtiges Argument für deren eckhartsche Herkunft. Vgl. Augustinus, Confessiones XIII c. 5 n. 6, CSEL XXXIII, 348,23–349,3: “Et tenebam iam patrem in dei nomine, qui fecit haec, et filium in principii nomine in quo fecit haec, et trinitatem credens deum meum, sicut credebam, quaerebam in eloquiis sanctis eius, et ecce ‘spiritus tuus superferebatur super aquas’”; In Sap. n. 28 (LW II 348,9349,9); In Ioh. n. 56 (LW III 47,57): “Personam enim patris notat per nomen dei, personam filii nomine principii: ‘in principio’, inquit, ‘creavit deus’. De sancto spiritu sequitur ibidem: ‘spiritus dei ferebatur super aquas’”, ibid. n. 60.
[21] Gn 1,2.
[22] Vgl. Hom. 96* [Q 75], n. 7: „Alsô ist ez umbe mîne vernunft. Vernunft, diu ein lieht ist, kêre ich die von allen dingen die rihte gegen gote, wan denne got âne underlâz ist ûzvliezende mit gnâden, sô wirt mîn vernunft erliuhtet und vereinet mit minne und dar inne got bekennende und got minnende, als er in im selber ist. Hie mite werden wir underwîset, wie got ûzvliezende ist in die vernünftigen crêatûren mit dem liehte der gnâde und wie wir mit unser vernunft nâhen süln disem gnædiclîchen liehte und ûz uns selben gezogen werden und ûfklimmende in ein lieht, daz got selber ist“.
[23] Hom. 114 [Q 15], n. 6: „Nun merkent, was aristotiles spricht von disem mentschen. homo das ist als vil gesprochen als ain mentsch ...“; vgl. Aristoteles, B c. 1 (412 ab).
[24] Hom. 22* [Q 37], n. 5: „[...] die drîe kœre in in hânt: Thrôni die nement got in sich und behaltent got in in, und got ruowet in in; Cherubîn die bekennent got und blîbent dar ane; Seraphîn daz ist der brant“. Vgl. auch den Rückverweis in Hom. 24* [Q 19], n. 7: „In der stille und in der ruowe – als ich nû sprach von den engeln, die dâ sitzent bî gote in dem kôre der wîsheit und des brandes – dâ sprichet got in die sêle und spricht alzemâle in die sêle“; Hom. 81* [Q 60], n. 11 zu Sap 1,3f.: „Dar umbe sprichet Dâvît: ‘got der sitzet obe Cherubîn’; er ensprichet niht, er sitze obe Seraphîn. Cherubîn bezeichent die wîsheit, daz ist die bekantnisse“; der Verweis auf Dionysius ist Thomas entnommen: Th. Aqu., STh I q. 108 a. 5 ad 6: „Ad sextum dicendum quod ordo Thronorum habet excellentiam prae inferioribus ordinibus in hoc, quod immediate in deo rationes divinorum operum cognoscere possunt. Sed Cherubim habent excellentiam scientiae; Seraphim vero escellentiam ardoris. [...] Exponit autem Dionysius nomen Thronorum, per conventiam ad materiales sedes [...]“; man vgl. auch zu den Engeln Isid. Hisp., Etymologiae VII c. 5 n. 21ff. (ed. Wallace Martin Lindsay I): “Throni sunt agmina angelorum,  qui Latino eloquio sedes dicuntur; et vocati Throni quia illis conditor praesidet, et per eos iudicia sua disponit. Cherubin autem [...] qui ex Hebraeo in linguam nostram interpretantur scientiae multitudo. [...] qui pro eo, quod vicinius positi divina scientia ceteris amplius pleni sunt, Cherubin, ed est plenitudo scientiae, appellantur. [...] Seraphin quoque similiter multitudo est angelorum, qui ex Hebraeo in Latinum ardentes vel incendentes interpretantur”; vgl. auch Petrus Lombardus, Sent. II d. 9 c. 1 n. 59–60.
[25] Zum „väterlichen Herzen“ vgl. weiter oben.
[26] Zum unschätzbaren Lob Marias vgl. In Sap. n. 16 (LW II 244). Die Predigt findet sich in der Postille Heinrichs von Erfurt, vgl. Regina D. Schiewer, „The postil of Hartwig of Erfurt as a preaching tool“, Medieval Sermon Studies 45 [2001], 40-57). „Die Postille ist bekannt als eine Sammlung aus dem Erfurter Dominikanerkloster, die Eckhartpredigt(en) und die seiner Zeitgenossen rezipiert (wie das Paradisus anime und die Kölner Klosterpredigten). ... Interessant ist hierbei, dass Heinrichs (= Hermanns) Predigt in der Parallelüberlieferung in Wien, ÖNB, Cod. 2845, das Initium ‚Conversus Petrus‘ aufweist: http://pik.ku-eichstaett.de/4241/« (17.03.2019) (so Regina D. Schiewer in einer editorischen Notiz zu dem früheren Artikel).
[27] Anselm, De conceptu virginali et de peccato originali c.18; diese Stelle wird benutzt und zitiert bei Eckhart, In Eccl. nn. 146 (LW II 244,1245,2): „De primo Anselmus: decebat nimirum, ut ea puritate virgo illa niteret qua maior sub deo nequit intelligi. Cant. 4: tota pulchra es, amica mea, et macula non est in te; Apoc. 12: mulier amicta sole, et luna sub pedibus eius. Prosequere, ut libet. De secundo, scilicet fecunditate, Augustinus in quodam sermone Legimus Moysen: divina potentia operante credentis viscera fecundantur. Qui terra, mari caeloque non capitur, intra unius corpusculi membra suscipitur; de creatura creator omnium procreatus nascitur. Primum, scilicet puritas, respondet virginitati; secundum, scilicet fecunditas, maternitati. Beda in Homilia: o quam pium spectaculum, virgo et mater. De tertio, scilicet famae et opinionis odoriferae suavitate, Chrysostomus super Matthaeum, super illo: inventa est in utero habens scilicet: inaestimabilis laus Mariae. Magis credebat Ioseph eius castitati quam utero eius, plus gratiae quam naturae. Possibilius credebat mulierem sine viro posse concipere quam Mariam posse peccare. Eccli. 24: quasi myrrha electa dedi suavitatem odoris”.
[28] Vgl. Sermo 8 n. 84 (LW IV 81,4f.): “Origenes super ‘Maria stabat’: ‘deum quaero; idcirco poena est ad videndum omnis creatura’”.
[29] Vgl. Hom. 21* [Q 49].
[30] Vgl. nächste Fußnote.
[31] Vgl. BgT (DW V 33,10 Ba2): „urkunde und bewîsunge“.
[32] Ioh. 21:20.
[33] Vgl. Hom. 78* [Q 23], n. 20: „underscheides“; z.B. Hom. 110* [Q 10], n. 11: „underscheit“.
[34] Vgl. RdU (DW V 245,7): „minnsamlîch“ (N4).
[35] Vgl. Hom. 21* [Q 49], n. 5 (BT); Hom. 108* [Q 52], n. 17; Hom. 51* [Q 63], n. 7; Hom. 71* [Q 78], n. 5; Hom. 84* [Q 86], n. 3; BgT (DW V 35,7); Von abegescheidenheit (DW V 432,9).
[36] Vgl. Hom. 21* [Q 49], n. 7: „heilige kristenheit“.
[37] Rm 8,23; vgl. hierzu In Ioh. n. 159 (LW III 131,6–13).
[38] In den Menschen.
[39] Text bricht ab.

Predigt* [Jostes 9]

In die consecrationis ecclesie et in anniversario eiusdem
‘Vidi civitatem sanctam Ierusalem novam descendentem de caelo a domino’ etc. (Apk. 21,2)

Editionen und Kommentare

F. Jostes, Nr. 9, 4,30-6,30.

<:1>‘Vidi civitatem sanctam Jherusalem’
<:1>‘Vidi civitatem sanctam Ierusalem’[1]
<:2>Sand Johannes sach in dem geist ‘ein stat’, die waz heilig und heiz Jherusalem; di stat waz niwe, si chom her nider vom himel und waz gemacht von golt und waz geziret alz ein braut irm man.
<:2>Im Geist sah der heilige Johannes “eine Stadt”, die heilig war und Jerusalem hieß; die Stadt war neu, sie kam vom Himmel herab, war aus Gold gemacht und war geschmückt wie eine Braut für ihren Bräutigam.
<:3>Daz wil ich auf di sel bringen. Der sun ist ewiclichen gewesen in dem vater, und er gebirt sinen sun an underlaz, und di geburt ist alle zeit newe. Waz bei sinem angang ist, daz ist newe. Ein hauz, daz gestern gemacht ward, daz ist heut newe, wan ez ist nahen bei sinem angange.
<:3>Dies will ich auf die Seele beziehen. Der Sohn war ewig im Vater, und er gebiert beständig seinen Sohn, und die Geburt ist allzeit eine neue. Was an seinem Ausgang ist, das ist neu. Ein Haus, das gestern gebaut wurde, das ist heute neu, denn es ist nahe bei seinem Ausgang.
<:4>Got schuf di sel in seinem einborn sun und bildet si in im und sach si in im, wie si im wehagte: do wehagt si im wol. Die sel, deu niwe sol sein, di schol sich halten al mittel in got und sich wider bilden in sinem einborn sun und schol wereit sein zu enphahen an underlaz den influz von got.
<:4>Gott schuf die Seele in seinem eingeborenen Sohn und formt sie in ihm und sah sie in ihm, wie sie ihm gefiel: Da gefiel sie ihm gut. Die Seele, die neu sein soll, die soll sich mit jeglichem Mittel in Gott halten und sich zurückformen in seinen eingeborenen Sohn und soll beständig bereit sein, das Einfließen von Gott zu empfangen.
<:5>Unser herre wart gefraget, wer sand Johannes wer, ob er wer ein prophete. Er ist mer den ein prophete: allez daz die propheten ye geprophetizierten, daz geschach in eim naturlich lauf. S. Johannes waz alz verre gezogen uber di natur, daz alle creatur warn ze grob dar zu, daz si sine werch enphahen mochten.
<:5>Unser Herr wurde gefragt, wer der heilige Johannes sei, ob er ein Prophet sei. Er ist mehr als nur ein Prophet: Alles, was die Propheten je prophezeiten, geschah auf natürliche Weise. Der heilige Johannes wurde soweit über die Natur hinaus gezogen, dass jegliche Kreatur zu ungehobelt war, sein Werk zu empfangen.
<:6>Johannes ist alz vil gesprochen alz gnad. Nu wart gefragt ein w=rtlein in unser schFl, daz di gnad wart mangerlei. Antwort ich dar zu und sprach: si enhert ni nicht auz einem trephelin, aber ein funkelin daz vellet wol auz der gnad in di sel, daz hat alz vil creft in im, daz dar uuz entspringent di creft der sel, wechantnuzze und gelaub und minne, di werden webeget. Waz ist gnad? Gnad, alz gnad an ir selber ist, so enwurht si niht uz, mer sie wurcht inn. Wer ein mensch, der diser gnad het ein tr=pflin, der het mer gutes und [wer] inreilicher gefugt in daz redlich wesen an werch, alzo, geworcht er nimmer niht und sliff all weg, nochden wer er neher got und inreilich[er] got. Ich sprich: wer daz ein mensch do sich hundertstund eines tages lizze brennen leuterlichen durch got, alle sine werch ch=nden im nit gehelffen dar zu, daz er kond in daz ungeborn wesen gefugt werden alz dicz mensch an werch. Waz ist gnad? gnad wurchet ein indem bodem der sel; da nie geburt in gedacht ward, da wurket gnad in und wurkt alz verre in, daz di drei ein wesen sein. Got und gnad sint alzo glich, wo got furget, do treit er di gnad auf dem nikken. Dicz spricht meister Ekkart.
<:6>Johannes bedeutet soviel wie Gnade.[2] Nun wurde in unserer Schule eine Frage gestellt, ob die Gnade eine Mischung sei. Hierauf antwortete ich und sagte: Sie verhärtet sich nicht aus einem Tropfen, doch ein Funke fällt schon aus der Gnade in die Seele, der soviel Kraft in sich hat, dass aus ihm die Kräfte der Seele entspringen, Erkenntnis, Glaube und Liebe, die in Bewegung versetzt werden. Was ist Gnade? Gnade, insofern sie in sich Gnade ist, wirkt nicht draußen, sie wirkt vielmehr drinnen. Gäbe es einen Menschen, der einen Tropfen von dieser Gnade hätte, der besäße mehr vom Guten und wäre innerlicher in das vernünftige Sein gefügt ohne Werk, folglich wirkte er niemals und schlief überall, so sehr er näher bei Gott und innerlicher in Gott wäre. Ich sage, gäbe es einen Menschen, der sich hundert Stunden am Tag durch Gott rein brennen ließe, so könnten doch keine seiner Werke ihm dazu helfen, in das ungeborene Sein gefügt werden zu können wie diesem Menschen ohne Werk. Was ist Gnade? Gnade wirkt in dem Grund der Seele; worin niemals an Geburt gedacht wurde, darin wirkt Gnade und wirkt so sehr darin, dass die drei ein Sein sind. Folglich sind Gott und Gnade so sehr dasselbe, dass, wenn Gott vorangeht, da trägt er die Gnade in seinem Nacken. Dies sagt Meister Eckhart.
<:7>Der prophet spricht: Frawe sich auf der der nicht gebirt diner frucht der ist vil, der ist wol tausend stund mer dan di frucht gebernd sind in der werlt, der ist an zal vil. Di sel hat ein naturlich licht in ir. In dem naturlichen licht hat got mer lustes und me genug dan in allen creaturen, die er ie geschuff: er verzirt alle sin craft in dem naturlichen liht. Nem man ein schwarzen kolen: alz unglich der wer wider [den] himel, alzo sind alle creatur wider dem naturlichen licht, daz di sel in ir treit. Wan si ingetragen wird in daz liht, so gebirt si sich selben und ir selber in ir selber, und gebirt sich wider sich selber in sich. Si verleust alz gar alle di gebFrt und wirt alz gar uber sich derhaben und wirt alz gar geneiget ein in ein. Si chFmt dar zu, daz si got gebirt, alz sich got selbe gebirt; und da geschiecht rehte einung trucz allen creaturen, trucz den engeln, trucz got selbe, daz er da einik unterscheid vinde.
<:7>Der Prophet sagt: “Freu Dich, Unfruchtbare, die nicht deine Frucht gebiert, ihrer sind viel”, ihrer sind wohl tausendmal mehr als diejenigen, die Frucht hervorbringen in der Welt, ihre Zahl ist groß.[3] Die Seele hat ein natürliches Licht in sich. An dem natürlichen Licht hat Gott mehr Freude und mehr Genüge als an allen Kreaturen, die er je geschaffen hat: Er verzehrt all seine Kraft an dem natürlichen Licht. Nimmt man eine schwarze Kohle: So ungleich diese verglichen mit dem Himmel ist, so sind alle Kreaturen verglichen mit dem natürlichen Licht, das die Seele in sich trägt. Wenn sie hineingetragen wird in dieses Licht, dann gebiert sie sich selber und für sich selber in sich selber, und sie gebiert sich wieder selbst in sich. Sie verlässt dann all die Geburt und wird so sehr über sich erhaben und wird dann geneigt als eines in eines. Sie kommt soweit, dass sie Gott gebiert, wie sich Gott selbst gebiert; und da geschieht rechte Einung trotz aller Kreaturen, trotz der Engel, trotz Gott selbst, so dass er dort die einige Unterscheidung findet.
<:8>SFmlich meister die suchen selicheit an bechantnuzze oder an willen: ich sprich, daz selicheit weder an wechantnuzze noch an willen en liet. Daz ist selicheit, daz sie l[ei]t[4] alle selicheit, daz ist alle ir selbesheit. Der himel wurchet alle sine werch darum, daz er sich got gelichen wil: niht daz er sich gelichen wol an den werchen, mer er sFcht reuwe, alzo alz daz wesen ist an werch: daz selbe sucht der himel, daz er cheme in ein stille stan. Sucht dicz der himel und ander creatur, di snoder ist, waz solten wir danne tun? Da belibet got got, da belibet selicheit selicheit und gnad gnad und sel sel.
<:8>Sämtliche Meister suchen Seligkeit entweder ohne Erkenntnis oder ohne Willen: Ich spreche, dass Seligkeit weder im Erkennen noch im Willen liegt. Das ist Seligkeit, dass sie vollends Seligkeit ist, es ist vollends ihre Selbigkeit. Der Himmel wirkt all seine Werke, weil er sich Gott angleichen will, nicht, dass er sich den Werken angleichen will, vielmehr sucht er nach Ruhe, wie nämlich das Sein im Werk. Dasselbe sucht der Himmel, dass er zum Stillstand komme. Wenn dies der Himmel und die übrige Kreatur, die niedriger ist, suchen, was sollten wir dann tun? Da bleibt Gott Gott, da bleibt Seligkeit Seligkeit und Gnade Gnade und die Seele die Seele.
<:9>Meister Ekkart sprach: got der wer ein spruch an spruch und wer ein wort an wort, und in dem werden lebendich alle creatur und waschende. Wer hat daz wort gesprochen und den spruch gesprochen? Der himlisch vater der hat in gesprochen in sinem eingeborn sun. Mag daz wort [und den spruch] nimant gesprechen? Nein, den mag niemant gesprechen dan der himlisch vater, und wirt doch gesprochen. Wenn wirt er gesprochen und wo wirt er gesprochen? Wenn die sel chein genug hat an cheiner creatur und si sich ze mal in got getragen hat mit allen iren werchen und ir selbs vergezzen hat und meint got lauterlichen; da gibt got mer dan si selb immer gedenken mag. Alz si sich alzo leuterlichen in got getragen hat, so gibt sich ir got alzo, daz er ir werch wurket in ir an erbeit, daz si sei ein mitwurcherin mit got. Und wo wirt er gesprochen? Wen daz alleroberst teil der [sel] bloz und ledich ze mal vereint wird mit got, da wirt daz wort gesprochen und der spruch, und da ist mund zu mund kumen und da ist kFz ze kFz chumen, und di sel verstet daz wort in dem wort und nieman mer; und di sel di chunde auch etwaz dar auf geworten. Hie ist di sel zu irm aller obersten kumen.
<:9>Meister Eckhart sprach: Gott sei ein Spruch ohne Spruch und sei ein Wort ohne Wort, und in ihm werden lebendig alle Kreatur und alle, die wachsen. Wer hat das Wort gesprochen und den Spruch ausgesprochen? Der himmlische Vater, der hat ihn gesprochen in seinem eingeborenen Sohn. Kann das Wort [und den Spruch] niemand aussprechen? Nein, das kann niemand aussprechen, es sei denn der himmlische Vater, und doch wird es ausgesprochen. Wenn die Seele kein Genüge mehr findet an einer Kreatur und sie sich völlig in Gott hineingetragen hat mit all ihren Werken und sich seiner selbst vergessen hat und durch und durch Gott im Sinn hat. Da gibt Gott [ihr] Gott mehr als sie selbst sich je vorstellen kann. Wenn sie sich so durch und durch in Gott hineingetragen hat, gibt sich ihr Gott, auf dass er ihr Werk wirkt in ihr ohne Zutun, auf dass sie sei eine Mitwirkerin Gottes. Und wo wird es gesprochen? Wenn der alleroberste Teil der [Seele] nackt und frei völlig geeint ist mit Gott, dort werden das Wort und der Spruch ausgesprochen, und dort kommt Mund zu Mund, und dort kommt Kuss zum Kuss, und die Seele versteht das Wort in dem Wort und niemand anderes; und die Seele kann auch etwas darauf antworten. Hier ist die Seele in ihrem Allerobersten angekommen.
<:10>Daz uns dicz gesche, dez helf unz got.
<:10>Auf dass uns dies geschehe, darum helfe uns Gott!



[1] See Apoc. 21:2 (Vidi civitatem sanctam Ierusalem novam descendentem de caelo a domino). The context is Apoc. 21:2–5 and can be found in Collectarium, Arch. f. 432ra: ‘In die consecrationis ecclesie et in anniversario eiusdem. Lectio libri Apocalipsis beati Iohannis apostoli. In diebus illis vidi civitatem sanctam [Et ego Ioannes vidi sanctam civitatem Vg.] Iherusalem novam descendentem de celo a Deo, paratam, sicut sponsam ortatam viro suo. Et audivi vocem magnam de throno dicentem: Ecce tabernaculum Dei cum hominibus, et habitabit cum eis. Et ipsi populus eius erunt, et ipse Deus cum eis erit eorum Deus: et absterget Deus omne lacrimam ab oculis eorum, et mors ultra non erit, neque luctus, neque clamor, neque dolor erit ultra, quia prima abierunt. Et dixit qui sedebat in throno: Ecce nova facio omnia’.
[2] Für die Interpretation von “Johannes” als “Gnade” vgl. Hom. 75* [S 96], n. 4.  Hieronymus, Liber interpretationis Hebraicorum nominum (Lagarde 136, 6–7): ‘Iohannan cui est gratia uel domini gratia’.
[3] Is. 54,1: “Lauda, sterilis, quae non paris; decanta laudem, et hinni, quae non pariebas: quoniam multi filii desertae magis quam eius quae habeat virum, dicit Dominus”; vgl. auch Gal. 4,27: “Laetare sterilis, quae non paris: erumpe, et exclama, quae non parturis: quia multi filii desertae, magis quam eius quae habet virum”; zu diesen zwei Versen vgl. Hom. 26* [S 99]. Leider kann man im Deutschen das Wortspiel zwischen „gebern“ (Frucht bringen) und „gebern“ (gebähren) nicht nachahmen.
[4] Die Handschrift hat fälschlicherweise „leit“.


Predigt * [Brethauer 262-7]

In communi confessorum et pontificum

‘In diebus suis placuit deo et inventus est iustus’ (Eccli. 44:16-7)

K. Brethauer, 262-7.


<:1> [7r] Man liset von s' germanus, vnd mag man iz ouch sprechen von eime anderen guten mensehen, ein wort uz der alden e vnd ein ander wort uz der nuwen e, vnd vlizen dog beide in ein. dit erste wort von der alden e lerit uns, wi wir lebe sullen, daz ander (263) | wes wi hoffe sullen. vnd sprichit dit wort also: her ist minneclich ader behegelich gewest gote in sinen tagen vnd ist funden gerecht’. darumme, sicher bi miner warheit ane zwivil, ‘ich wil in setze uber alle min gut’. he ist behegelig gewest gote.
<:1>Man liest über den heiligen Germanus[1] (was man auch von anderen guten Menschen sagen könnte) einen Vers im alten und einen im neuen Testament, auch wenn beide zusammenfließen. Der erste Vers des alten Testaments lehrt uns, wie wir leben sollen, der andere, was wir uns erhoffen sollen, und jener Vers lautet wie folgt: “Er fand Freude und Gefallen bei Gott in seinen Tagen und wurde gerecht befunden”. Darum, gewiss bei meiner Wahrheit, ohne Zweifel, “werde ich ihn über all mein Gut setzen”.[2] Er war ein Gefallen für Gott.
<:2>do s' iohannes unsen herren doufte, do wart ein stimme gehort. di stimme waz des vaters, alse alle die meistere sprechen. vnd di sprag also, alse s' matheus scribit: ‘dit ist min liber sun, in dem ich my selber behage’. aber s' marcus bescribit: ‘du bist min libe sun, in dem ich behay’. aber s' lucas scribit, daz sich fugit zu di<s>r rede: ‘du bist min libe sun, in dem mir behait’.
<:2>Als der heilige Johannes den Herrn taufte, war eine Stimme zu hören. Dies war die Stimme des Vaters, wie alle Meister sagen.[3] Denn diese sagen wie folgt und wie der heilige Matthäus schreibt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mir selber gefalle“.[4] Doch der heilige Markus beschreibt [dieselbe Sache]: “Du bist mein geliebter Sohn, in welchem ich Gefallen habe“.[5] Doch der heilige Lukas schreibt, was sich yu dieser Version fügt: „Du bist mein geliebter Sohn, in dem ich Gefallen habe“.[6]
<:3>wan alliz, daz dem vatere ummer behait, daz muz vme behay in sime sune, vnd vz vme in behait vme nichtes nicht. Iz were unmvgelig, vnd got vermochtis nicht, daz vme ummer ich behaite dan in sime ein born sune. wan in vme vme sint alle ding icht vnd sint war, wan her selber di warheit ist. vnd were warheit etwaz anders dan got, ich wolde warheit ane bete vnd nicht got. wan were warheit abe gesundert von gote, so in were warheit nicht war got vnd in were nicht. darumme in wolde ich in nimmer an gebete.
<:3>Alle Dinge, die dem Vater immer gefielen, müssen ihm in seinem Sohn gefallen, und ohne ihn gefällt ihm nichts.[7] Es wäre unmöglich, und Gott könnte sich nie irgendeiner Sache erfreuen, es sei denn es geschähe in seinem eingeborenen Sohn. Denn in ihm sind alle Dinge ein Etwas und sie sind wahr, denn er selbst ist die Wahrheit. Doch wäre die Wahrheit etwas anderes als Gott, so wollte ich die Wahrheit und nicht Gott verehren.[8] Denn wenn die Wahrheit von Gott unterschieden wäre, dann wäre die Wahrheit nicht wahrhaft Gott und er würde nicht sein. Folglich wollte ich ihn niemals verehren.
<:4>vnd alliz, daz uz vme vellit, in ist nicht. darumme in sint di sunder nicht vnd sind tot. waz ist ein tote, dan ein ding, daz nog ettewaz schinet vnd in ist dog nicht? aber torechte lute nemen einen valschen sin hi von vnd sprechen, su sin icht, da von daz su hi etwaz schin. darumme sprichit ein scrift, daz di sune der wisheit vrteilen unrechte. were, daz ein mensche eine hant stize in die sunnen, die schine etwaz virn vurge, die anderen (!), di schine nicht. alse schint di sunder hi etwaz, vnd etwa nicht, daz ist vor gote: da sin su nicht. Got vrkennit iog vr nicht; der verfluchten in der helle sin sines bekentnisses nicht wirdig. her weiz su also wenig, alse ig weis den soldan uber mer. her kennit su nicht kennende und weis su nicht wiszende.
<:4>Doch alles, was von ihm wegfällt, ist nichts. Darum sind die Sünder nichts und sie sind tot.[9] Was anderes ist eine tote Sache als etwas, das noch ein wenig glimmt, dann ist es nichts? Allerdings missverstehen dumme Leute dies und behaupten, sie seien ein Etwas allein schon deshalb, weil da noch etwas glimmt. Deshalb heißt es in einer Schrift, dass die Söhne der Weisheit fehl urteilen.[10] Wenn ein Mensch seine Hand in die Sonne streckte, sie würde alt gefurcht aussehen, die andere würde nicht im Licht scheinen. Und so glimmt der Sünder hier ein bisschen und dann nicht, nämlich vor Gott, da sind sie nichts. Auch Du kennst Gott nicht; diejenigen, die verdammt in der Hölle sich befinden, sind es nicht wert, ihn zu kennen. Er weiß um sie so wenig wie ich um einen Soldaten jenseits des Meeres weiß. Er weiß sie als Nichtwissende und kennt sie als Nichterkennende.[11]
<:5>vorte di vet, hoffenuge vet, minne vet ouch; wi werden von allen dingen gevangen. Got di vet uns ouch vnd sin gevencnisse vriet vnd ledigit, Ja, iz lost alle bant. nv verstet, weliche wiz; wi gotis kinder werden, daz wi in ime sune sin, daz wi in vme behagen vnd geminnit werden, da got mensche [8r] wart, do nam di persone des sunes an sich menslig nature, nicht dan noch den menschen. alse ouch von der craft der worte, di der prister sprichit ober dem altare . . . (von ?) gotis licham alleine vnd ist da sunder groze vnd (264) | cleine, alleine iz alliz nach volge. her ist da also wenig in stat alse in anderen steten. die mensheit di Xc an sich nam, daz ist min mensheit, vnd in der bin ich vme also na, alse her vme selber ist. di ist uns allen glich gemeine, dem ermesten alseme kunge, dem do rechten alse dem wisen. wan in der mensheit in ist he vme nicht neher dan my, vnd ich in bin my selber nicht neher dan vme. sin wi vme so na vnd so ein in der mensheit, waz sin wy dan in der gotheit?
<:5>Worte binden, Hoffnung bindet, Liebe bindet, wir werden von allen Dingen gefangen. Auch Gott bindet uns, doch wir sind frei und nackt von Gefängnissen, ja, alle Bande sind gelöst. Nun achte, auf welche Weise wir Gottes Kinder werden, dass wir in seinem Sohn sind, dass wir in ihm eine Freude und geliebt sind, weil Gott Mensch wurde. Damals nahm die Person des Sohnes auf sich die menschliche Natur, nicht noch einen Menschen;[12] und auch durch die Macht der Worte, die der Preister am Altar spricht ... (über) Gottes Leib alleine, und darin ist er zugleich groß und klein, doch alles folgt. Er ist dort so wenig an einem Ort wie an allen anderen Orten. Die Menschheit, die Christus auf sich genommen hat, die ist meine Menschheit, in ihr bin ich ihm so nah, wie er sich selbst ist. Er ist gleichermaßen uns gemein, dem Ärmsten wie einem König, dem Gerechten wie dem Weisen. Denn in der Menschheit ist er sich nicht näher als mir, und in ihr bin ich mir nicht näher als ihm.[13] Wenn wir ihm bereits in der Menschheit so nahe und eins mit ihm sind, wie [nahe und eins] sind wir ihm dann in der Gottheit?
<:6>Nv merkit! dan bin ich in dem sune, alse ich also wenig geneigt bin vnd also wenig schin habent mich selber, nog mich selber nicht me meine nog minne vnd min selber also vremeden, alse ein anderen min eben cristen. alse ioch iz gebot heizit, daz ich in lip sal habe, alse mich selber. daz my der nicht minner behage, nog in minner meine, dan mich selber, ab her iog min vingit ist, vnd ab her uber mer ist, so ist mir recht, vnd so bin ich ime sune vnd bin icht. vnd wa ich mich us mich selber neige in eime wane, daz ich icht si, da bin ich nicht vnd bin werlig sunder zwivil. vnd da ich mich us mich selber neige, da bin ich mir selber vremede, dan dem, der uber mer ift. vnd di mensche, di sin selbiz alse uz gegangen ist, da her nicht in ist vnd in gote ist, da her icht ist vnd werlichen ist. wan ein mvcke hete me warheit in gote, dan alle werlt uz. vnd den menschen, die also in gote [8v] sai, wan her ime sune ist, so bit her in vme; darumme mag vme dan got nicht versai, alse her sime sune nicht versai mag. wan den mensche, di also von vme selber also gevremit ist, den minnit got mit allem dem, daz her ist. wan wa got minnit, da minnit her mit alle siner macht vnd minnit in also, ab niman mein si, dan der mensche alleine.
<:6>Nun merke auf! Ich bin im Sohn, wenn ich wenig um mich selbst besorgt bin und wenig auf mich selbst achte, weder mich auf mich ausrichte, noch mich mehr liebe als den Nächsten, sondern mir selbst fremd werde. Wie es auch in diesem Gebot heißt, dass ich ihn so lieben soll wie mich selbst.[14] Dass er mir nicht weniger lieb ist, noch mir weniger bedeutend ist als ich mir selbst, selbst wenn er mein Feind ist, oder wenn er weit weg jenseits des Meeres ist, damit bin ich einverstanden, und darum bin ich sein Sohn und bin etwas. Doch wenn ich mich nach außen kehre, in der Hoffnung etwas zu sein, dann bin ich nichts und voller Zweifel. Und wenn ich mich nach außen kehre, dann bin ich mir fremder als derjenige, der jenseits des Meeres lebt. Doch jemand, der das eigene Selbst verlassen hat und nicht in diesem ist, sondern in Gott, der ist etwas und ist wirklich. Denn eine Fliege besitzt mehr Wahrheit in Gott als die gesamte äußere Welt.[15] Und der Mensch der in dieser Weise in Gott ist, und der ihm Sohn ist, der vertraut in ihn; darum kann Gott ihn nicht zurückweisen, wie er auch seinen Sohn nicht zurückweisen würde. Denn ein Mensch, der sich selbst fremd ist, den liebt Gott mit allem, was er ist. Denn den Gott liebt, den liebt er mit all seiner Kraft, und er liebt ihn, als wenn niemand anderes ihm gehörte, außer einzig dieser Mensch.[16]

<:7>Ich denkes dicke: dit lutit gar groz, daz sich der mensche so gar mvz laze; ez ist etwaz swer. also her ab schelt di nuz, di etwaz herte vnd biter, er man durg di schalen kume zume kerne, di da susze ist. also ist iz zu ersten herte, alse man aber durg brichit, so ist iz suze vnd lustig. Ja, alliz daz der mensche tu sal, alle di gebot, di sin vme lichte vnd vrolig zu halden, vnd also lustig, alse eime hungirgen menschen daz lustig vnd naturlig ist, daz her iszit vnd trinkit. Iz in ist nicht groz, wan alliz, daz der mensche lezit, daz nimit her wider, aber her muz sig selber ie alrest gelazen habe, wan hi inne nimit her alle ding in dem hosten vnd hat su da in der warheit. vnd alliz, daz alle heiligen haben, daz ist sin also eigen, (265) | alse iz vr ist, vnd also daz sin eigen ist, vnd daz unse vrouwe hat. Ich spriche me: alliz, daz xpc hat mit allem dem, daz vme sin vater gegebin hat. wan her vme gegebin hat alliz, daz her geleisten mag, daz ist da sin also eigen, alse iz sin selbiz ist, wan her unse mensheit ist. vnd iz ist oug me unse dan sin, wan iz vme durg uns gegeben ist. wan man meinit me daz hus, daz man mit der barten machit, dan di barten, wan dit hus ist ein sache der barten, vnd di barte ist durg daz hus. wan iz vme durg uns gegeben ist, darumme ist me unser wan sin. iz ist alliz [9r] eigen des menschen, daz xc vnd alle heiligen haben, da von sprichit di scrift irl'm alse die teilunge sin in daz selbe, daz ist alliz, daz in vn allen ist. daz su alle haben, daz ist vme gemein vnd ist da eigen sin.
<:7>Des bin ich mir gewiss: Es klingt natürlich hart, dass sich der Mensch so sehr lassen muss. Zugegeben, es ist schwierig.[17] Wenn man die Nussschale entfernt, die etwas hart und bitter ist,  kommt man durch die Schale zu dem Kern, der dann süß ist.[18] So ist es mit einem harten Anfang.[19] Wenn man ihn überwindet, dann wird es süß und genüßlich. In der Tat ist alles, was ein Mensch zu tun hat, all den Geboten zu folgen, leicht und erfreulich,[20] gerade so erfreulich und natürlich, wie einem hungrigen Menschen Essen und Trinken ist.[21] Es ist nichts Besonderes, denn alles, was ein Mensch lässt, wird er wieder erhalten, doch man muss sich gänzlich lassen, dann wird man darin alle Dinge im höchsten Maß erhalten und wird sie darin in Wahrheit haben.[22] Auch alle Dinge, die all die Heiligen besitzen, die sind ihm auch eigen, wie sie das Ihre sind, und auch das ist einem eigen, was unserer Frau gehört.[23] Ich ware sogar noch mehr zu behaupten: alles, was Christus besitzt, zusammen mit allem, das der Vater ihm gegeben hat [ist einem eien].[24] Denn er hat dem Menschen alles gegeben, soweit er kann, das ist auch einem eigen, wie es ihm eigen ist, denn er ist unsere Menschheit. Und es ist sogar mehr das Unsere als das Seine, denn es wurde ihm wegen uns gegeben.[25] Denn das Haus, das mit einer Axt gebaut wird ist bedeutender als die Axt, denn das Haus ist das Produkt der Axt, und die Axt dient dem Haus.[26] Denn es wurde unseretwegen gegeben, folglich ist es mehr das Unsere als das Seine. Es gehört alles dem Menschen, was Christus und alle Heiligen besitzen, und davon spricht die Schrift ...[27] da Teilung im selben stattfindet, ist alles, was ist, in uns allen. Dass sie alle besitzen ist seine Absicht und ist, was er ist.
<:8>‘her hat gote behait in sinen tagen’. Ein scrift sprichit: ‘ein tag kundigit den anderen tage’. dit wort meinit got. darumme sprichit iz eigintliche: ein tag kundigit den anderen tage got. waz ist dise tag? alse di sunne geginwortig ist, so heize wis tag. alse dit antlize schinit in me spiegele, alse der spigel ge<g>inwortig ist. alse man den spigel abe kert, so in ist da nicht daz antlize. in me spigele in ist da nicht an der warheit; iz ist, iz hangit in weiz wa in der luft. alse ist diser tag alse nicht. Ein ander tag ist in der sele. Ein ander tag ist ein tag der gnaden. Ober dem ist der tag der ewikeit. diser tag in der sele ist ein craft, ein naturlig licht, in dem luchtit nacht alse tag. darumme sprichit ein ander scrift: got gibit vnd but sin bekentnisse vnd sin lop in der nacht, das ist alse man geruwig vnd unbehindert ist, aber an me tage siner barmherzikeit, daz ist daz sich der mensche ube an uszeren werken. Ein prophete sprichit: ‘set, di tage sint kumen, got wil vrwecken den samen davides’. diser same ist got, di slefit in der sele, in diseme tage wirt der same vr weckit, daz ist bekant. dieser tag meldit got. darumme alle, di dar inne nicht in sin, di in mvgen sin nicht bekenne. Globe ich eime ein ding zu geben in dirre kirchen, queme der nicht herin, iz inworden vme nummer. Ich spreche etwanne ein wortelin: daz, daz wi iagen, von dem werden wir geiagit, daz ist di same, vnd ie me wir da von geiagit werden, ie me wir vme nag iagen, daz wi in begrifen, dise kraft, di oberste, die di scrift kan vnd in der warheit bekennit. Joch al hi di bekennit, daz an allen geiftlichen [9v] dingen daz hoste ist innerste. In dirre (266) | krarft get alle engenote abe vnd cleine, wan got in mag nicht gegebe dan in einer wite, da her vil gegebe mag. vnd da meint her unse beste mite, daz her uns da in ladit, da her uns vil gegebe mag. Gebe ein kunig eine linsen, iz were vme ein ichande. Got in mag hi nicht gegebe in disen dingen, iu sint vme zu enge vnd zu cleine. Iz were vme lesterliche, daz her cleine gebe, wan daz ist sicher, daz got nummer dikeine Gabe gibt, he gebe sig selbe da mite.
<:8>“Er war ein Gefallen für Gott in seinen Tagen”. Eine Schrift spricht: “Ein Tag kündigt den nächsten Tag an”.[28] Dieser Vers bezieht sich auf Gott. Darum könnte man eigentlicher formulieren: Ein Tag kündigt Gott an, den nächsten Tag. Was bedeutet dieser Tag? Wenn die Sonne da ist, nennt man es Tageslicht. Wie das Gesicht, das in einem Spiegel aufleuchtet, während der Spiegel da ist.[29] Doch wenn der Spiegel umgedreht wird, ist das Gesicht nicht länger darin. Ich bin nicht mehr wirklich im Spiegel. Ich bin, doch es hängt vom Licht in der Luft ab. So ist dieser Tag, und er ist nicht. Ein anderer Tag ist in der Seele. Ein weiterer Tag ist der der Gnade. Jenseits desselben ist der Tag der Ewigkeit.[30] Dieser Tag ist eine eine Kraft in der Seele, ein natürliches Licht,[31] in welchem die Nacht als Tag aufleuchtet. Darum sagt eine andere Schrift:[32] Gott gibt und bietet seine Kenntnis und sein Lob in der Nacht, wenn der Mensch ruht und ungehindert ist, doch mehr noch während des Tages seiner Barmherzigkeit, d.h. dass man sich in seinen guten Taten übt. Ein Prophet sagt: “Seht, die Tage sind gekommen, Gott will erwecken den Samen Davids”.[33] Dieser Samen ist Gott, der in der Seele schlummert; on diesem Tag wird der Samen aufgeweckt, das ist angekündigt. Dieser Tag verkündet Gott. Folglich können alle, die nicht darin sind, ihn nicht erkennen. Wenn ich glaube, ich könnte jemandem etwas in der Kirche geben, doch dieser käme nicht dorthin, könnte ich es ihm nicht aushändigen. Ich habe einmal gesagt:[34] Was wir jagen, von dem werden wir gejagt, das ist der Samen, und je mehr wir von ihm gejagt werden, desto mehr jagen wir es, um es zu erfassen; dies ist die Kraft, das Höchste, das die Schrift kennt und in Wahrheit ankündigt. Doch hier wissen alle, dass von allen geistlichen Dingen das Höchste in dem innersten ist.[35] In dieser Kraft sind alle Beengungen und Beklemmungen gewichen, denn Gott will sich nicht anders als in Offenheit geben, weil er in Fülle geben will. Und hiermit will er das Beste für uns, um uns einzuladen und um uns in Fülle zu geben. Wenn ein König eine Linse gäbe, wäre es eine Schande. Gott will sich in solchen Dingen nicht geben, da sie zu eng und klein für ihn wären. Es wäre ihm lästlich, kleine Gaben zu geben, denn es ist gewiss, dass Gott niemals eine Gabe gibt, es sei denn er gäbe sich selbst mit diesen.[36]
<:9>in disem tage ist vnd got kennit, di bekennit, daz alle di werlt uz gote ist alse ein linse vnd der vil, di di linsen nemen vnd nicht got. alleine sig got dinne gebe, so in nemen su iz doch nicht, aber di got bekennit, den menschen sin alle ding, di uz gote sint, gein gote alse nicht. Iz ist glich, beide, in gote vnd uz gote, ein mucke ist also edil in gote alse der oberste engil, vnd uz gote ist ein ganz werlt nicht me dan alse ein nicht. In dirre craft ist mir also na di oberste planete alse, daz bi mir ist. vnd di tag, di vor tusint iaren waz, ist mir da also geginwortig alse di, di itzunt gegin wortig ist. vnd dit inreste dis steines ist mir semeliche alse offinbar alse dit uszerste. dit licht meldit got.
<:9>An diesem Tag ist Gott und er kennt diejenigen, die erkennen, dass die ganze Welt außerhalb Gottes eine Linse und soviel ist wie diejeniegn, die nach der Linse greifen und nicht nach Gott.[37] Dennoch gibt sich ihnen Gott, doch sie greifen nicht nach ihm; diejenigen aber, die Gott erkennen, denen sind alle Dinge, die außerhalb Gott sind, wie nichts und nicht Gott. Sein in Gott oder außerhalb Gottes ist dasselbe, eine Fliege ist so edel wie der höchste Engel,[38] doch außerhalb Gottes ist die gesamte Welt nicht mehr als nichts. In dieser Kraft ist mir der höchste Planet so nah wie das, was ganz nah bei mir ist. Und die Tage, die vor Tausend Jahren waren, die sind mir so gegenwärtig wie diejenigen, die jetzt gegenwärtig sind.[39] Und das Innerste des Steines ist mir gänzlich so offenkundig wie das Äußerste. Dieses Licht kündigt Gott an.
<:10>‘her hat gote behait in sinen tagen; in sinen, in sinen! Neme wi iz in disem tage in der sele, so ist iz war, wan got ist da inne. Neme wi iz aber in dem tage, di got ist, so ist iz aber war, wan der mensche in gote ist vnd ist inne vonden gerecht; inne, inne! Got in wirt nirgen [10r] vonden dan inne. Got in ist nirgen, nog in ist got, noch in wirkit, nog in wirkit gotlichen, dan inne imme inresten. wi usze suchit, di in vindit sin nicht. Suchit he in aber inne vnd vin dit her sin danne nicht, so verwize her iz gote.
<:10>“Er war ein Gefallen für Gott in seinen Tagen”. In seinen, in seinen! Nehmen wir es in diesem Tag in der Seele, so ist es wahr, denn Gott ist darin. Nehmen wir es aber in diesem Tag, der Gott ist, ist es immernoch wahr, da der Mensch in Gott ist und innerlich als gerecht erfunden ist. Innerlich, Innerlich! Gott kann nicht anderswo gefunden werden als innerlich. Gott ist nirgends noch ist er irgendwo, noch wirkt er, noch wirkt er göttlich, es sei denn innerlich, in tiefster Innerlichkeit. Wer außerhalb sucht, wird ihn nicht finden. Doch wenn man innerlich sucht, und man ihn nicht findet ,[40] soll man sich an Gott wenden.
<:11>‘her inne vonden gerecht’. Der mensche ist gerecht in eime groben vnd dog guten sinne, des got ere hat vnd alle himelscher vroude vnd der eben cristen beszerunge vnd der gevangenen in dem vegefure losunge. Der ist gerecht, der nicht in denkit nog in spri(266)|chit nog in wirkit dan gerechtikeit. Daz ist gerecht, daz glig vellit vellit. Di ist gerecht, di glig vnd ein war stet in libe vnd in leide, in glucke vnd in unglucke. vnd der ist gerecht, di gerechtikeit liber hat dan alle ding vnd iog sig selber, vnd dem di gerechtikeit lustig ist pobin alle ding vnd ein pine ist, waz wider gerechtikeit ist, vnd den ein vroude vnd licht vnd lustelig ist, zu lidene durg di gerechtikeit. von diseme sprichit vnse herre imme ewangelio: ‘wer nag mir kumen wil, der verlouken sin selbis vnd hebe uf sin cruze’. nicht daz her ein pinlig leben uf sich neme, alleine iz gut ist, di nicht beszeres in weis; he sal nicht pine uf sig neme, mer: he sal su von vme werfe vnd sal pine uf hebe, wan pine wirt vme lichte vnd in ist vme nicht pine, su wirt vme iog lustig, vnd di mensche ist gerecht, di gerechtikeit bekennit vnd minnit, alse su gerechtikeit ist vnd warheit ist vnd got ist. vnd der mensche ist in gote imme sune vnd ist got behegelig vnd minlig in vme, vnd von dem sprichit her: ‘werligen, bi miner warheit, ich wil in setzen uber allis min gut’, daz ist: ich wil in min selbis gewaldig machen.
<:11>“Innerlich wurde er gerecht erfunden“.[41] Der Mensch ist einem groben, und doch guten Sinn nach gerecht erfunden, der Gott ehrt, alle himmlische Freude besitzt, nach dem Nächsten schaut und diejenigen, die im Fegefeuer gehalten sind, befreit. Derjenige Mensch ist gerecht, der ausschließlich aus Gerechtigkeit heraus denkt, spricht und handelt. Derjenige ist gerecht, der gleiches Urteil fällt. Derjenige ist gerecht, der ein und derselbe bleibt sowohl in Liebe wie im Leiden, im Glück und Unglück. Und derjenige ist gerecht, der die Gerechtigkeit allen anderen Dingen und sich selbst vorzieht, dem Gerechtigkeit einen größeren Gefallen bereitet über alle Dinge hinweg, dem es schmerzlich ist, was gegen Gerechtigkeit geht und dem es leicht und freudig ist, aus Gerechtigkeit zu leiden. Von diesem Menschen spricht unser Herr im Evangelium: “Wer immer mir nachfolgen will, der leugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich”.[42] Nicht dass er ein Leben des Leidens auf sich nimmt, doch es ist gut genug, nichts besseres zu kennen. Er muss nicht Leiden auf sich nehmen, sondern vielmehr muss er es von sich streifen und das Leiden beseitigen, so wird er Gefallen haben und dieser Mensch ist gerecht, der Gerechtigkeit und Liebe kennt, insofern es Gerechtigkeit ist, Wahrheit ist und Gott ist. Und dieser Mensch ist immer Sohn in Gott und ist für Gott ein Gefallen, liebt ihn, und von ihm sagt er: „Wahrlich, bei meiner Wahrheit, ich will ihn über all mein Gut setzen“,[43] d.h. ich werde ihm Macht über das Meine geben.

<:12>daz vns dit gesche, des helfe uns got. amen.
<:12> Dass uns dies geschehe, hierzu verhelfe uns Gott! Amen.[44]




[1] Vgl. die parallele Predigt, die den ersten Teil des alttestamentlichen Schriftworts von Eccli. 44:16-7 auslegt: Hom. 110* [Q 10].
[2] Eccli. 44:16-7: ’16 Enoch placuit Deo et translatus est in paradiso ut det gentibus paenitentiam. 17 Noe inventus est perfectus iustus et in tempore iracundiae factus est reconciliatio’; Matth. 25:21: ‘Euge serve bone, et fidelis: quia super pauca fuisti fidelis, super multa te constituam’; dieselbe Kombination dieser beiden Schriftpassagen, Eccli. 44:16 und Matth. 25:21 findet sich in Eckhart, Hom. 109* [Q 66], n. 4, eine wichtige Predidgt, die insbesondere auch Matth. 25:21 auslegt. Eine weitere Deutung Eckharts von Matth. 25:21 begegnet in Hom. 52* [Q 64], nn. 3-4.
[3] Die Meister beziehen sich hier auf die Verfasser der synoptischen Evangelien, die gleich genannt werden. Einen ähnlichen synoptischen Vergleich findet man in Hom. 110 [Q 10], n. 9: ‘Nû schrîbet ein êwangeliste: ‘diz ist mîn lieber sun, in dem ich mir wol behage’. Nû schrîbet der ander êwangeliste: ‘diz ist mîn lieber sun, in dem mir alliu dinc behagent’. Nû schrîbet der dritte êwangeliste: ‘diz ist mîn lieber sun, in dem ich mir selber behage’. Allez, daz gote gevellet, daz gevellet im in sînem eingebornen sune; allez, daz got minnet, daz minnet er in sînem eingebornen sune’.
[4] Matth. 3:17: ‘hic est Filius meus dilectus in quo mihi conplacui’.
[5] Marc. 1:11: ‘tu es Filius meus dilectus in te conplacui’.
[6] Luc. 3:22: ‘tu es Filius meus dilectus in te conplacuit mihi’.
[7] Vgl. Eckhart, Hom. 67* [Q 31], n. 3: ‘Der vater enminnet kein dinc dan sînen sun und allez, daz er vindet in sînem sune’; Hom. 23* [Q 51], n. 6: ‘Ûzwendic dem sune enweiz der vater nihtes niht. Er hât sô grôzen lust in dem sune, daz er anders niht enbedarf dan gebern sînen sun’.
[8] Vgl. Eckhart, Hom. 12* [Q 14], n. 4: ‘were eit hoeger dan got, sy in woilde gotzs neit. Der ander in genoeget neit dan an deme alre besten; were eit besser dan got, sy in wolde godes neit. Der dirder ingenoeget neyt dan an eynem goiden; were eit goiders dan got, sy in wolde godes neyt’.
[9] Vgl. Eckhart, Hom. 13* [S 102], n. 8: ‘Des enmac der sünder niht enpfâhen noch enist sîn niht wirdic, wan er ervüllet ist mit den sünden und mit bôsheit, daz dâ heizet vinsternisse’; Hom. 17* [S 91], n. 12: ‘Ze dem andern mâle ladet er an dem tôde, der dâ bitterlîche und swærlîche vellet ûf der sünder herze’.
[10] I Cor. 1:24-5: ‘(24) ... Christum Dei virtutem et Dei sapientiam (25) quia quod stultum est Dei sapientius est hominibus’.
[11] Das scheint Eckharts anderen Aussagen zu widersprechen, in denen er davon spricht, dass selbst die Hölle nicht vollständig von Gott trennt, auch wenn die dort Verweilenden “Verdammte” genannt werden, die offenkundig Gott nicht kennen, vgl. Eckhart, Hom. 113* [S 100], n. 7: ‘von nôt müezen alle crêatûren ir wesen nemen in gote, nochdenne die vertüemeten in der helle, die müezen blîben ûf etwaz sînes wesennes. Enwellent sie niht blîben in gote in der sælicheit, sô müezen sie in im blîben wider ir willen in der vertüemunge. Waz tôrheit ist daz, daz man bî dem niht sîn enwil, âne den man niht sîn enmac!’ Doch wird deutlich, dass diejenigen, die Gott nicht mit Gott sein wollen, auch keine Kenntnis von ihm und seiner Barmherzigkeit haben. Im Gegenzug kennt Gott sie, wie sie sind, also als Menschen, die nicht wissen und nicht kennen. Und, wie in Hom. 113* liest man im nächsten Satz hier in n. 8, dass Gott bindet, dass er auch nicht loslässt, selbst diejenigen nicht, die verdammt sind. Auch ihnen spricht er sein Wort zu, indem Christus die menschliche Natur annimmt.
[12] Eine enge Parallele bietet Eckhart, Hom. 2* [Q 24], n. 9: ‘dar umbe nam got menschlîche natûre an sich und einigete sie sîner persônen. Dâ wart menschlich natûre got, wan er menschlîche natûre blôz und keinen menschen an sich nam’.
[13] Wieder findet sich eine Parallele in Hom. 2* [Q 24], n. 9 straight after: ‘Dar umbe, wilt dû der selbe Krist sîn und got sîn, sô ganc alles des abe, daz daz êwige wort an sich niht ennam. Daz êwige wort nam keinen menschen an sich; dar umbe ganc abe, swaz menschen an dir sî und swaz dû sîst, und nim dich nâch menschlîcher natûre blôz, sô bist dû daz selbe an dem êwigen worte, daz menschlich natûre an im ist. Wan dîn menschlîche natûre und diu sîne enhât keinen underscheit: si ist ein, wan, swaz si ist in Kristô, daz ist si in dir’.
[14] Marc. 12:31: ‘simile illi diliges proximum tuum tamquam te ipsum’; eine direkte Parallele zu diesem Gebot, das als hart empfunden wird (vgl. n. 7), findet sich in Eckhart, Hom. 41* [Q 4], n. 8: ‘Ez schînet swære, daz unser herre geboten hât, daz man den ebenkristen minnen sol als sich selben’.
[15] Vgl. Eckhart, Hom. 113* [S 100], n. 8: ‘Sô ich ze Parîs predige, sô spriche ich – und ich getar ez wol sprechen –: alle die von Parîs enmügent niht begrîfen mit allen irn künsten, waz got sî in der minsten crêatûre, nochdenne in einer mücken. Aber ich spriche nû: alliu disiu werlt enmac ez niht begrifen’; vgl. auch Hom. 90* [Q12], n. 9: ‘Der eine vliegen nimet in gote, diu ist edeler in gote dan der hœhste engel an im selber sî’.
[16] Vgl. Eckhart, Hom. 24* [Q 19], n. 2: ‘Der himelische vater sprichet ein wort und sprichet daz êwiclîche, und in dem worte verzert er alle sîne maht und sprichet sîne götlîche natûre alzemâle in dem worte und alle crêatûren’.
[17] Vgl. oben die Anmerkung zu Marc. 12:31.
[18] Vgl. die Parallele mit einem Verweis in Eckhart, Hom. 23* [Q 51], n. 10: ‘Ich hân gesprochen etwenne mê: diu schal muoz zerbrechen, und muoz daz, daz dar inne ist, her ûz komen; wan, wilt dû den kernen hân, sô muost dû die schalen brechen’; der Verweis könnte auf unsere Predigt hier, oder auch auf Hom. 65* [Q 13], n. 3 gehen: ‘Diu schal muoz enzwei sîn, sol der kerne her ûz komen’.
[19] Vgl. die Parallele in Eckhart, Hom. 3* [Q 68], n. 15: ‘Daz ist wol wâr, daz ez in dem beginne etwaz swære ist in dem abescheidenne’.
[20] Vgl. Eckhart, Hom. 6* [Q 38], n. 14: ‘Alliu sîniu gebot sint mir lîhte ze haltenne’.
[21] Vgl. Eckhart, Hom. 30* [Q 79], n. 5: ‘Brôt daz ist gar trœstlich dem menschen, sô in hungert; sô in aber dürstet, sô enhæte er als wênic trôst an dem brôte als an einem steine’; Hom. 91* [Q 41], n. 6: ‘Die wîle den menschen hungert, die wîle smacket im diu spîse’; Hom. 95* [Q 27], n. 5: ‘Sô mich dürstet, sô gebiutet mir daz trank; sô mich hungert, sô gebiutet mir diu spîse’.
[22] Vgl. Matth. 19:29: ‘et omnis qui reliquit domum vel fratres aut sorores aut patrem aut matrem aut uxorem aut filios aut agros propter nomen meum centuplum accipiet et vitam aeternam possidebit’; vgl. Eckhart, Hom. 117* [Q 62], n. 1: ‘unser herre gelobet den hundertvalt, die alliu dinc lâzent. Læzet er alliu dinc, sô sol er hundertvalt nemen und daz êwige leben’; vgl. auch Hom. 95* [Q 27], n. 9: ‘Dô ich nû predigete an der drîvalticheit tage, dô sprach ich ein wörtelîn in der latîne, daz der vater sînem eingebornen sune gæbe allez, daz er geleisten mac, alle sîne gotheit, alle sîne sælicheit, und enbehielte im selber niht’; der Verweis mag auf Sermo II,1 n. 6 (LW IV 8,6–14) gehen: ‘In causis autem primordialibus sive originalibus primo–primis, ubi magis proprie nomen est principii quam causae, principium se toto et cum omnibus suis proprietatibus descendit in principiatum. Audeo dicere quod etiam cum suis propriis – Ioh. 14: “ego in patre et pater in me est” – ut non solum hoc sit in illo, quodlibet in quolibet, sed hoc sit illud, quodlibet quodlibet, Ioh. 10: “ego et pater unum sumus”. Pater enim hoc est quod filius. Paternitas ipsa hoc est quod filiatio. Id ipsum est potentia, qua pater generat et filius generatur. Propter quod potentia generandi essentiam in recto significat, sicut dicunt meliores’.
[23] Vgl. Eckhart, Hom. 114* [Q 15], n. 5: ‘alles das gu°t, das in allen engeln vnd in allen hailgen ist, das ist alles sin aigen, als es gottes aigen ist’.
[24] Vgl. Eckhart, Hom. 44* [Q 54b], n. 9: ‘allez, daz der vater gegeben hât sînem sune, allez, daz er ist, daz er in daz gebe’.
[25] Wieder eine Parallele zu Eckhart, Hom. 2* [Q 24], n. 3: ‘Daz ander wunder ist von der sêle, daz got sô grôziu dinc mit ir und durch sie getân hât und tuot, wan er tuot, swaz er mac, durch sie; er tuot vil und grôziu dinc durch sie und ist zemâle unledic mit ir, und daz ist von ir grôzheit, in der si gemachet ist’.
[26] Ein ähnliches Gleichnis für eine andere Aussage findet sich in Eckhart, Hom. 103* [Q 6], n. 16: ‘Daz würken und daz werden ist ein. Sô der zimmerman niht enwürket, sô enwirt ouch daz hûs niht. Dâ diu barte liget, dâ liget ouch daz gewerden. Got und ich wir sîn ein in disem gewürke; er würket, und ich gewirde’.
[27] ‘irl'm’ scheint die Quelle oder den Autor anzugeben, ist aber noch zu entziffern und zu identifizieren.
[28] Ps. 18:3: ‘dies diei eructat verbum’; vgl. hierzu Eckhart, In Ioh. n. 293 (LW III 245,13).
[29] Vgl. das gleiche Bild in Eckhart, Hom. 86* [Q 9], n. 14: ‘Daz bilde ist in mir, von mir, zuo mir. Die wîle der spiegel glîch stât gegen mînem antlite, sô ist mîn bilde dar inne; viele der spiegel, sô vergienge daz bilde’; Hom. 39* [Q 69], n. 8: ‘Daz merket an dem spiegel: hebest dû den vür dich, sô erschînet dîn bilde in dem spiegel. Daz ouge und diu sêle ist ein solch spiegel, daz allez daz dar inne erschînet, daz dar gegen gehabet wirt. Dar umbe ensihe ich niht die hant oder den stein, mêr: ich sihe ein bilde von dem steine’.
[30] Zu dem “tag der ewikeit”, vgl. Eckhart, Hom. 107* [Q 72], n. 11: ‘dâ wil sie got volbringen in dem tage der êwicheit, dâ ein ganz lieht ist’.
[31] Dass diese Kraft der Seele ihr “natürliches Licht” ist, findet sich auch Eckhart, Hom. 24* [Q 19], n. 3: ‘Alle crêatûren die engevallent gote niht, daz natiurlîche lieht der sêle überschîne sie, in dem sie ir wesen nement’; Hom. 28* [Q 18], n. 8: ‘dar umbe sol sich diu sêle ûf erheben in irm natiurlîchen liehte in daz hœhste und in daz lûterste’.
[32] Vgl. Sap. 18:14–5: ‘Dum medium silentium tenerent omnia et nox in suo cursu medium iter haberet omnipotens sermo tuus domine de celis a regalibus sedibus venit’ (Arch. f. 395ra); Vg. reads: ‘(18:14) cum enim quietum silentium contineret omnia et nox in suo cursu medium iter haberet, (18:15) omnipotens sermo tuus de caelo a regalibus sedibus durus debellator in mediam exterminii terram prosilivit’; hierzu vgl. Hom. 70* [Q 73], n. 8: ‘Diu geschrift sprichet, daz ‘in mitter zît der naht, dô alliu dinc in einem swîgenne wâren, dô kam, herre, dîn wort her abe von den küniclîchen stüelen’, daz ist: in der naht, sô kein crêatûre in die sêle enliuhtet noch enluoget, und in dem stilleswîgenne, dâ niht in die sêle ensprichet, dâ wirt daz wort gesprochen in die vernünfticheit’; vgl. auch Cant. 3:1: ‘In lectulo meo per noctes quaesivi quem diligit anima mea … et non inveni’; und vgl. Hom. 66* [Q 71], n. 9: ‘Si sprichet: ‘ich suochte in al durch die naht’. Ez enist kein naht, si enhabe ein lieht: ez ist aber bedecket. Diu sunne schînet in der naht, si ist aber bedecket. Des tages schînet si und bedecket alliu andern lieht. Alsô tuot daz götlich lieht: daz bedecket alliu lieht’.
[33] Vgl. II Tim. 2:8: ‘memor esto Iesum Christum resurrexisse a mortuis ex semine David’.
[34] Vgl. Eckhart, Hom. 30* [Q 79], n. 7: ‘Sehet, als süeze ist gotes trôst, daz in alle crêatûren suochent und jagent im nâch. Und ich spriche mê, daz aller crêatûren wesen und leben liget dar ane, daz sie got suochent und im nâchjagent. Nû möhtet ir sprechen: wâ ist dirre got, dem alle crêatûren nâchjagent, dâ von sie ir wesen und ir leben hânt?’.
[35] Vgl. Eckhart, Hom. 9* [S 101], n. 6: ‘Dar umbe muoz sich diu sêle, in der disiu geburt geschehen sol, gar lûter halten und gar adellîche leben und gar eine und gar inne, niht ûzloufen durch die vünf sinne in manicvalticheit der crêatûren, mêr: alles inne sîn und ein sîn; und in dem lûtersten dâ ist sîn stat, im versmâhet iht minners’.
[36] Vgl. zu dieser gesamten Passage Eckhart, Hom. 41* [Q 4], n. 10: ‘Dô got alle crêatûren geschuof, dô wâren si sô snœde und sô enge, daz er sich niht dar inne beregen mohte. Doch machte er im die sêle sô glîch und sô ebenmæzic, ûf daz er sich der sêle gegeben möhte; wan swaz er ir anders gæbe, des enahtet si niht. Got muoz mir sich selber geben als eigen, als er sîn selbes ist, oder mir enwirt niht noch ensmecket mir niht. Swer in alsus zemâle enpfâhen sol, der muoz zemâle sich selben ergeben | (72) hân und sîn selbes ûzgegangen sîn; der enpfæhet glîch von gote allez, daz er hât, als eigen als erz selber hât und unser vrouwe und alle, die im himelrîche sint: daz ist disen als glîch und als eigen. Die alsô glîch ûzgegangen sint und im selben ergeben hânt, die suln ouch glîch enpfâhen und niht minner’; Hom. 63* [Q 84], n. 3: ‘allez, daz got geben mac, daz ist allez einer sêle ze kleine, engæbe sich got niht selber in den gâben’; Hom. 86* [Q 9], n. 10: ‘in allen den gâben, die er gibet, sô gibet er sich selben ie zem êrsten. Er gibet sich got, als er ist in allen sînen gâben, als verre als ez an im ist, der in enpfâhen möhte’.
[37] Vgl. die Gleichsetzung von “Linse” und “nichts” in Eckhart, Hom. 59* [Q 42], n. 6: ‘Wizzet: dem menschen wæren alliu dinc als lîhte ze lâzenne als ein erweiz oder ein linse oder als niht; jâ, bî mîner sêle, alliu dinc wæren disem menschen als ein niht!
[38] Eine deutliche Parallele findet sich in Eckhart, Hom. 90* [Q 12], n. 9: ‘Der eine vliegen nimet in gote, diu ist edeler in gote dan der hœhste engel an im selber sî’.
[39] Zu diesem Thema des innerlichen Findens Gottes vgl. Hom. 110* [Q 10]. See also Eckhart, Hom. 25* [Q 26], n. 3: ‘Allez, daz ie geschach vor tûsent jâren, der tac, der vor tûsent jâren was, der ist in êwicheit niht verrer dan disiu stunde, dâ ich ze <disem> mâle iezuo stân, oder der tac, der über tûsent jâr komen sol oder als vil dû gezeln maht, der enist in êwicheit niht verrer dan disiu stunde, dâ ich iezuo inne stân’.
[40] Vgl. Eckhart, Hom. 9* [S 101], n. 23: ‘Ie mê dû âne bilde bist, ie mê dû sînes înwürkennes enpfenclîcher bist, und ie mê îngekêret und vergezzener, ie mê disem næher’.
[41] Vgl. die Parallele in Eckhart, Hom. 2* [Q 24], n. 10 zu dem Gerechten, das die zuvor erwähnte Parallele zwischen der vorliegenden Predigt und Hom. 2* unterstreicht.
[42] Matth. 16:24: ‘Si quis vult post me venire, abneget semetipsum, et tollat crucem suam, et sequatur me’; vgl. hierzu Eckhart, Hom. 98* [S 107] und Hom. 9* [S 101], n. 28.
[43] Matth. 25:21: ‘Euge serve bone, et fidelis: quia super pauca fuisti fidelis, super multa te constituam’; vgl. zuvor n. 1.
[44] Vgl. zu dieser Standardformulierung Eckharts etwa Hom. 1* [S 87], n. 10; Hom. 8* [Q 76], n. 13; Hom. 32* [S 108], n. 14; Hom. 101* [Q 58], n. 9; Hom. 106* [S 112], n. 14.

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