Mit Genehmigung des Briefautors will ich gerne andere Interessierte an diesem Austausch teilnehmen lassen:
Sehr geehrter Herr Prof. Vinzent,
in möglichst großer Kürze möchte ich Ihnen nach der Lektüre von "Offener Anfang" – auch wenn ich nur ein fachfremder theologischer Bücherwurm bin – folgenden Gedanken mitteilen:
Mit dem Third quest nach dem historischen Jesus wird immer deutlicher, wie sehr Jesus Jude war. In Darstellungen der Geschichte des frühen Christentums wird immer wieder die Frage gestellt, wie es sein konnte, daß sich das Christentum so schnell ausbreitete – mit mehr oder weniger überzeugenden Antworten (die schönste Version ist natürlich die Wirkung des heiligen Geistes, "Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit").
Gleichzeitig wissen wir, dass es praktisch unmöglich war, als Proselyt während der eigenen Lebenszeit als vollwertiger Jude anerkannt zu werden. Erst die Kinder oder Enkel konnten damit rechnen. Es gab wohl im ersten Jahrhundert in den Städten des römischen Reiches an vielen Orten im Umfeld der jüdischen Synagogen Proselyten. Für sie muß eine Richtung innerhalb des Judentums, die es ihnen ermöglichte, als Anhänger Jesu endlich voll und ganz dazuzugehören oder sogar zu einer herausgehobenen Strömung, wenn nicht gar dem wahren Judentums zu gehören, höchst attraktiv gewesen sein. Diese Menschen müssen auf Paulus und seine missionarischen Nachfolger geradezu geflogen sein. Je nachdem wie zahlreich diese Proselyten waren, könnte das ein entscheidender Faktor für den Erfolg des "Neuen Wegs" gewesen sein - zunächst als Strömung innerhalb des Judentums.
Mit besten Grüßen,
Peter Schießl
Ich habe Herrn Schießl auf diese wichtige Anregung hin geantwortet:
