Markus Vinzent's Blog

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Friday, 5 March 2021

Offener Anfang - eine Leserzuschrift

 Mit Genehmigung des Briefautors will ich gerne andere Interessierte an diesem Austausch teilnehmen lassen:


Sehr geehrter Herr Prof. Vinzent,

in möglichst großer Kürze möchte ich Ihnen nach der Lektüre von "Offener Anfang" – auch wenn ich nur ein fachfremder theologischer Bücherwurm bin – folgenden Gedanken mitteilen:

Mit dem Third quest nach dem historischen Jesus wird immer deutlicher, wie sehr Jesus Jude war. In Darstellungen der Geschichte des frühen Christentums wird immer wieder die Frage gestellt, wie es sein konnte, daß sich das Christentum so schnell ausbreitete – mit mehr oder weniger überzeugenden Antworten (die schönste Version ist natürlich die Wirkung des heiligen Geistes, "Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit").

Gleichzeitig wissen wir, dass es praktisch unmöglich war, als Proselyt während der eigenen Lebenszeit als vollwertiger Jude anerkannt zu werden. Erst die Kinder oder Enkel konnten damit rechnen. Es gab wohl im ersten Jahrhundert in den Städten des römischen Reiches an vielen Orten im Umfeld der jüdischen Synagogen Proselyten. Für sie muß eine Richtung innerhalb des Judentums, die es ihnen ermöglichte, als Anhänger Jesu endlich voll und ganz dazuzugehören oder sogar zu einer herausgehobenen Strömung, wenn nicht gar dem wahren Judentums zu gehören, höchst attraktiv gewesen sein. Diese Menschen müssen auf Paulus und seine missionarischen Nachfolger geradezu geflogen sein. Je nachdem wie zahlreich diese Proselyten waren, könnte das ein entscheidender Faktor für den Erfolg des "Neuen Wegs" gewesen sein - zunächst als Strömung innerhalb des Judentums.

Mit besten Grüßen,

Peter Schießl

Ich habe Herrn Schießl auf diese wichtige Anregung hin geantwortet:

Lieber Herr Schiessl,

vielen Dank für die Rückmeldung und die Lektüre des Buches. Ihre Anregung werde ich aufnehmen, denn ich kann ihr nur zustimmen. Auch für Markion hat man bereits in der Vergangenheit einen Proselytenhintergrund ausfindig gemacht, also auch er könnte auf dieser Spur zu Paulus gelangt sein, das würde mich überzeugen. Umgekehrt war es gerade auch für Proselyten leichter, nach dem zweiten jüdischen Krieg ihren Kult fortzusetzen, wie man Eusebius entnehmen kann, sogar in Jerusalem, während Beschnitte aus Jerusalem verbannt wurden.
Also ganz herzlichen Dank für diese Überlegungen,

Ihr
Markus Vinzent

Thursday, 30 April 2020

"Christianity": a response to Roman-Jewish conflict - book chapter appeared

My book chapter on "Christianity": a response to Roman-Jewish conflict appeared as part of



RECONSIDERING ROMAN POWER

Roman, Greek, Jewish and Christian perceptions and reactions


Abstract:
The beginning of Christianity is often associated with biblical protagonists (Jesus, Paul, the Apostles etc.) and often linked to historical events taking place around the mid-1st century. This article takes a different view, beginning with the assumption that what was later called "Christianity" should not be anachronistically projected back onto the first century. Even though it built on gradual developments taking place over the course of 140 years, "Christianity" was a novel concept, no older than the end of the Bar Kokhba revolt (135 CE). As most of the early "Christian" writings cannot be dated with certainty, we do not know whether Jews started calling themselves "Christians" prior to this time. The first texts to report such self-descriptions are Marcion’s Antitheses from around the year 144 CE and Ignatius’ Letters (middle recension) which together, and supported by growing scholarship, I take to be from after the mid second century. Before this point, "Christian" texts describe the word as a deprecating exonym (Acts 26:28 attributes use of the term to a cynical Agrippa; 1 Peter 4:16 associates "Christian" with suffering and shame). In what follows I hope to show why and how Marcion created "Christianity" as a label for a third way between Jerusalem and Rome, an innovation which proved successful and was quickly picked up by a number of "apologists" in the late years of Hadrian and the early years of Antoninus Pius.

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