Zuerst deutsch? – Mein neuer Roman erscheint im Januar 2027
Über Nationalismus, Liebe und Verrat – und eine Vergangenheit, die nicht vergeht.
Kann man zuerst deutsch und dann jüdisch sein? Und was geschieht, wenn die eigene nationale Zugehörigkeit plötzlich gegen einen selbst gewendet wird?
Im Januar 2027 erscheint mein neuer Roman Zuerst deutsch? im Verlag der blaue reiter. Nach Nicht alle Tage und Der Schatten der Nähe führt mich dieser Roman in ein anderes, historisch dunkleres Kapitel – und doch geht es erneut um Liebe, Nähe, Verlust und die Frage, wie Menschen mit ihrer Vergangenheit leben.
München, 1991. Ein nächtlicher Telefonanruf erschüttert die Kunsthistorikerin Anika Maschka. Ihr verstorbener Vater, ein angesehener Wissenschaftler und Ehrenbürger, soll während der NS-Zeit an der Verfolgung von Juden und am Raub jüdischer Kunst- und Kulturgüter beteiligt gewesen sein. Anika will ihn verteidigen. Doch ihre Nachforschungen führen sie immer tiefer in eine Geschichte, die sie selbst betrifft.
Bei ihren Forschungen über die jüdische Künstlerin Hulda Mannheimer entdeckt sie, dass diese die Geliebte ihres Vaters gewesen war. Und dass der Mann, der sich an Verfolgung und Enteignung beteiligte, zugleich sein Leben riskierte, um Hulda zu retten.
Doch auch Hulda passt nicht in die vertrauten Kategorien. Als junge Frau begeistert sie sich für Deutschland, für nationale Ideale und die Gemeinschaft einer jüdischen Jugendbewegung, die ihre Zugehörigkeit zur deutschen Nation betont. Sie will Deutsche sein, nicht trotz, sondern mit ihrer jüdischen Herkunft. Bis das Land, dem sie sich verbunden fühlt, sie ausschließt.
Die Geschichte führt von Kassel über Berlin und das besetzte Paris nach Großbritannien und Afrika. Sie erzählt von Kunst und Kunstraub, von politischer Verblendung, Liebe und sexueller Ausbeutung, von Verfolgung und Überleben.
Mich beschäftigt dabei besonders, wie widersprüchlich menschliches Handeln sein kann. Wie wird ein Mensch zum Täter, ohne aufzuhören, ein Liebender zu sein? Wie kann jemand Opfer einer Ideologie werden, der er selbst einmal nahestand? Und was geschieht mit unserer Vorstellung von Geschichte, wenn die Trennung zwischen Täter, Opfer und Retter nicht mehr so eindeutig gelingt?
Der Roman beginnt mit einem Satz, der seine Erzählerin durch die gesamte Geschichte begleiten wird:
„Ich wollte meinen Vater verteidigen, gestand ich mir ein.“
Doch je mehr Anika erfährt, desto schwieriger wird diese Verteidigung. Ihre historische Forschung verwandelt sich in eine Untersuchung ihrer eigenen Familie.
Zuerst deutsch? ist ein Roman über die Macht nationaler Identitäten, die Verstrickung von Liebe und Schuld und über die unbequeme Frage, ob die Suche nach historischer Wahrheit selbst zum Verrat werden kann.
Markus Vinzent, Zuerst deutsch?
Roman, Verlag der blaue reiter, Januar 2027
ISBN 978-3-911731-18-8
Weitere Informationen folgen zur Veröffentlichung.
German First? – My New Novel to Be Published in January 2027
On nationalism, love and betrayal – and a past that refuses to disappear.
Can one be German first and Jewish second? And what happens when the nation to which one belongs turns against its own people?
In January 2027, my new novel, Zuerst deutsch? (German First?), will be published by the German publishing house Verlag der blaue reiter.
Following my earlier novels Nicht alle Tage and Der Schatten der Nähe, this book takes me into a different, historically darker world. Yet some of the underlying questions remain: how love and loyalty shape our lives, how we deal with loss, and how the past continues to inhabit the present.
Munich, 1991. A late-night telephone call shatters the world of Anika Maschka, a young art historian. Her deceased father, a respected German scholar and public figure, is accused of involvement in Nazi persecution and the confiscation of Jewish cultural property.
Determined to defend him, Anika begins to investigate. But the archival evidence leads her somewhere she had never expected.
While researching Hulda Mannheimer, a Jewish artist forced to flee Nazi Germany, Anika discovers that Hulda had been her father's secret lover. Even more disturbing is the contradiction at the heart of his life: the man who participated in persecution and dispossession had also risked his own position, perhaps even his life, to save the woman he loved.
Yet Hulda herself is no straightforward victim of history. As a young woman, she had embraced German nationalism and belonged to a Jewish youth movement that proudly affirmed its German identity. She thought of herself as German, without believing that her Jewish background made her any less so. The nation she loved would eventually exclude and persecute her.
Moving between Nazi Germany, occupied Paris, Britain and Africa, the novel explores the intertwined histories of nationalism, art, cultural dispossession, sexual exploitation, persecution and survival.
What interested me particularly while writing was the difficulty of maintaining the familiar distinctions between perpetrators, victims and rescuers. Can someone participate in a criminal regime and still act courageously to save another person? How does nationalism become destructive not merely to those who oppose it, but also to those who once believed themselves part of it? And what happens when the historian discovers that the history she is reconstructing is also her own?
The novel opens with a confession:
“I wanted to defend my father, I admitted to myself.”
But the more Anika discovers, the more difficult that defence becomes. Her search for historical truth gradually turns into an investigation of her own family's past.
Zuerst deutsch? is a novel about nationalism and belonging, the entanglement of love and complicity, and the unsettling possibility that confronting the past may itself become an act of betrayal.
Markus Vinzent, Zuerst deutsch? (German First?)
Novel, Verlag der blaue reiter, January 2027
ISBN 978-3-911731-18-8
An English translation is also being prepared by Maggie Hamand.
Further information will follow as publication approaches.
